Magdeburg l Im Schloss Oberwiederstedt (Landkreis Mansfeld-Südharz) wird ein wertvoller Kulturschatz gehütet. Im Archiv befinden sich mehrere Briefe des Dichters Novalis (1772 - 1801). Und wenn es nach den Vorstellungen von Historikern und Buchhändlern aus Sachsen-Anhalt geht, sollen die Schriftstücke auch zukünftig im Land bleiben.

Ein neues Expertengremium bestimmt ab sofort über wertvolle Archivsammlungen. Der fünfköpfige Sachverständigenausschuss für Archivgut wurde am gestrigen Montag von Innenminister Holger Stahlknecht eingesetzt. Die Kommission entscheidet darüber, welche Güter in das sogenannte "Verzeichnis national wertvoller Archive" aufgenommen werden. Stehen Archive, archivalische Sammlungen, Nachlässe und Briefsammlungen auf dieser Liste, dürfen sie nur mit besonderer Genehmigung aus Deutschland ausgeführt werden.

"Es wird ja nicht nur Kunst illegal nach Deutschland eingeführt, sondern eben manchmal auch illegal ausgeführt. Diese Güter sind aber wichtig für die Identität unseres Landes. Deswegen ist es richtig, dass nun begutachtet wird, ob es für die Ausfuhr einer Genehmigung bedarf oder nicht", sagte Stahlknecht zur Berufung der Sachverständigen. Das Gremium wurde nun eingesetzt, weil Ende November das sogenannte Entschädigungs- und Ausgleichsgesetz ausläuft. Frühere private Eigentümer können dann ihre Archivgüter zurückbekommen.

Viele dieser Sammlungen befinden sich aktuell noch im Besitz des Landeshauptarchivs, das dem Innenministerium angeschlossen ist. Ziel des Expertengremiums ist es, dass auch Nachlässe, die in Privatbesitz zurückgehen, dort weiterhin aufbewahrt werden. Zu den ältesten Stücken zählen etwa ottonische Urkunden aus dem 10. Jahrhundert, der Großteil der Güter ist jedoch aus dem 16. bis 18. Jahrhundert.

Gestern hat der Ausschuss ausführlich über den Novalis-Briefwechsel beraten. Ob dieser in das "Verzeichnis national wertvoller Archive" aufgenommen wird, steht noch nicht fest. Die Entscheidung könnte zur nächsten Sitzung im Herbst fallen.