Jean-Pierre Jeunets Karriere:

Der gebürtige Franzose erlernte das Handwerk der Regie autodidaktisch.

In den 1980er übernahm Jeunets die Regie bei teils hochgelobten Kurzfilmen, Musikvideos und Werbespots.

Die Kurzfilme "Le mamège" und "Foultaises" wurden als beste Kurzfilme mit dem nationalen Filmpreis Frankreichs, dem "César" ausgezeichnet.

1991 Spielfilmdebüt
mit "Delicatessen". Der Film wurde mit vier "Césars" ausgezeichnet. Unter anderem in der Kategorie "Bester Newcomer in Regie".

1995 "Die Stadt der verlorenen Kinder"

1997 "Alien - Die Wiedergeburt."

2001 "Die fabelhafte Welt der Amélie". Der Film wurde weltweit ausgezeichnet und erhielt vier "Césars".

2004 Mathilde - Eine große Liebe

2009 Micmacs - Uns gehört Paris!

2013 "Die Karte meiner Träume"

Paris (dpa) l Dass der französische Regisseur Jean-Pierre Jeunet gerne märchenhafte und skurrile Filme dreht, ist spätestens seit dem Erfolg von "Die fabelhafte Welt der Amélie" bekannt. Kein Wunder, dass ihn auch die fantastische Geschichte der zwölfjährigen Romanfigur T.S. Spivet von Reif Larsen fasziniert. In "Die Karte meiner Träume" greift Jeunet auf den Debütroman des Amerikaners zurück und schafft ein fantastisches Roadmovie mit herrlichen Bildern - Jeunets erster Film in 3D.

Der zwölfjährige T.S. Spivet (Kyle Catlett) ist hochbegabt. Er ist ein meisterhafter Zeichner und interessiert sich leidenschaftlich für Wissenschaft. Er verbringt Stunden mit dem Studium bahnbrechender Erfindungen, bis er eines Tages selbst Pläne für eine Art Perpetuum Mobile entwirft und sie bei der berühmten Smithsonian-Institution in Washington einreicht. In Unkenntnis seines Alters lädt ihn die Bildungs- und Forschungseinrichtung in die Bundeshauptstadt ein, um ihm den prestigeträchtigen Baird-Preis zu überreichen. T.S. Spivet will den Preis persönlich in Empfang nehmen und macht sich heimlich auf die Reise, womit das Abenteuer beginnt. Als blinder Passagier in einem Güterzug durchquert der Wunderknabe Amerika. Er trifft düstere Gestalten und wird von einem Polizisten verfolgt. Doch immer hat der Wunderknabe Glück im Unglück. "Die Karte meiner Träume" ist ein in Bilderbuch-Aufnahmen verpackter Roadmovie. Doch hinter der fantastischen Geschichte verstecken sich ernste Themen. T.S. Spivets Zwillingsbruder Layton etwa starb bei einem Unfall, bei dem er anwesend war. Ein Tod, der Schatten über die ganze Familie wirft.

Die Smithsonian-Institution existiert wirklich. Voller Ironie beschreibt Jeunet den Wissenschaftsbetrieb. Die Ankunft von T.S. Spivet bringt so manchen Lachmuskel in Bewegung: Die Institutionsleiterin (Judy Davis) hatte nicht geahnt, dass der Erfinder, mit dem sie am Telefon gesprochen hatte, ein zwölfjähriger Knabe ist. Die Überraschung ist daher groß. Doch die anfängliche Verwirrung weicht dem Sinn für Marketing. T.S. Spivet wird zum Star.

Jeunet hat seine Karriere vor allem mit grotesk-skurrilen Filmen bestritten, zu denen auch sein Debütfilm "Delicatessen" gehört sowie "Die Stadt der verlorenen Kinder". Mit "Die Karte meiner Träume" ist dem 60-Jährigen eine unterhaltsame und fantasiereiche Romanverfilmung gelungen. An den Zauber und Charme der fabelhaften Welt der Amélie kommt er jedoch nicht ganz heran.