Die neuen Förderungen sind gerade bekannt gegeben worden, es werden 43 Künstler und Projekte unterstützt. Was bringt Ihre Stiftungsarbeit außer Geld für ein Projekt?
Manon Bursian: Viel - auf lange Sicht. Wenn wir klug fördern, wirft das immer auch einen Fokus auf den Kunststandort Sachsen-Anhalt. Wir können Haltungen verändern, die regionalen Kunstplätze bekannter machen und letztlich viel Neugier wecken. Und wir können dort eingreifen, wo es ein Manko gibt. Wir stellen fest, dass sich unser Fördervotum oft positiv auf ein Projekt auswirkt.

Sind wir im Boot, wirkt das wie ein Qualitätssiegel, das auch andere Förderer anzieht. Manchmal warten andere auch erst unser Votum ab. Das ist eine große Verantwortung, aber auch eine große Chance für uns.

Muss sich etwas ändern?
In den zehn Jahren unseres Bestehens haben wir gezeigt, dass die Kunstszene in Sachsen-Anhalt zwar eine kleine, aber eine unglaublich aktive ist. Trotzdem würde ich mir wünschen, dass es mehr Projektplanungen über längere Zeiträume gibt, dass unabhängig von Wahlperioden geplant und nachgedacht wird.

Letztendlich sehe ich uns als Begleiter oft einzigartiger künstlerischer Positionen wie zum Beispiel der letzten Landeskunstpreisträgerin Franca Bartholomäi. Vor zehn Jahren haben wir sie mit einem Stipendium nach New York geschickt, heute steht sie auf der internationalen Watchlist.

Wo gibt es das Manko, von dem Sie sprechen? Und wie greifen Sie ein?
Natürlich mangelt es in Sachsen-Anhalt an einem Kunstmarkt und an Sammlern. Und es gibt nicht genügend Räume für die Subkultur. Wir wollen aber nicht lamentieren und haben deshalb zum Beispiel das Förderprogramm "Art Affaires" aufgelegt, das die Teilnahme an Kunst- und Designmessen fördert. In diesem Jahr konnte die Modedesignerin Jennifer Brachmann mit Unterstützung der Kunststiftung Sachsen-Anhalt ihre Herrenmodekollektion auf der Fashion Week in Berlin zeigen. Das war ein toller Erfolg. Wenn das Wort von der Anschubfinanzierung gerade nicht abgegriffen klingt, dann hier.

Und wie ist es mit den fehlenden Räumen?
Da muss sich noch viel an der Basis selbst entwickeln. In Halle stellen wir unsere Stipendiaten im Haus der Kunststiftung aus und fördern anderswo Ausstellungsprojekte, die neue Freiräume für die Kunst - und sei es nur temporär - aufmachen.

Was bedeutet es, wenn Sie sagen, Sie könnten Haltungen verändern?

Natürlich stehen wir als Stiftung unter großem Erwartungsdruck. In der Kunst geht es aber nicht um Anspruchsdenken und Erbhöfe, sondern einzig und allein um Qualität. Gerade die junge Kunstszene, die früher wenig gefördert wurde, steht im Fokus unserer Förderpraxis - das ist unsere glasklare Haltung.

Sie haben sicher einen guten Überblick über die Kunstszene in Sachsen-Anhalt. Wo liegen ihre Stärken, wo ihre Schwächen?
Es gibt zwei Tendenzen: Mit den Arbeitsergebnissen der Stipendien räumen unsere Stipendiaten national und international Preise ab. Das zeigt, dass in Sachsen-Anhalt eine Generation von Künstlern herangewachsen ist, die international mitspielen kann.

Unsere Stipendiaten werden in New York dafür bewundert, dass sie noch mit der Hand zeichnen können. Solide Handwerklichkeit, die gute Kunst immer braucht, das ist doch etwas Besonderes, das gefördert, unterstützt und unbedingt weitergeführt werden muss. Eine Schwäche besteht sicher im Marketing. Es gilt eben nicht nur, ein Kunststück zu produzieren, es muss auch vermarktet werden. Da sollte mehr passieren.

Kann die Kunststiftung da helfen?
Natürlich beraten wir unsere Stipendiaten und Projektteilnehmer, vernetzen Künstler mit der Wirtschaft und ermöglichen Kontakte zu weiteren Förderern. Das können wir aber sicher noch verstärken.

Eine Stiftung wie die Bundeskulturstiftung, die ihren Sitz auch in Halle hat, setzt auch eigene Themen, deren Umsetzung sie dann fördert.

Man muss natürlich erst einmal sagen, dass die Bundeskulturstiftung viel mehr Geld und Personal zur Verfügung hat. Bei uns arbeiten drei Mitarbeiter, und wir haben etwa eine halbe Millionen Euro zur Verfügung.

Aber neben den Zuwendungen für Stipendien und Projekte setzen wir ja auch eigene Themen. Gerade läuft die Einreichungsphase zum Wettbewerb "Ein Schmuckstück für Cranach", indem es darum geht, anlässlich der Cranach-Ausstellung 2015 in Wittenberg ein zeitgenössisch interpretiertes Schmuckstück zu schaffen. Das ist schon jetzt ein riesiger Erfolg - es beteiligen sich Schmuckkünstler aus ganz Deutschland.

Wen würden Sie sich häufiger unter Ihren Antragstellern wünschen?
Ganz klar: kleine Museen. Es gibt so viele unglaublich schöne kleine Sammlungen und Museen in Sachsen-Anhalt, in denen wir gern zeitgenössische Interventionen unterstützen würden.

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