Magdeburg l Ein riesiges Porträt von Louis de Funès ist nicht zu übersehen. Der quirlige französische Schauspieler wäre Ende des Monats 100 Jahre alt geworden. So gibt es in diesem Jahr eine Hommage unter freiem Himmel für den Komödianten par excellence, der in einer Vielzahl von Filmen als Louis, als Gendarm und in anderen Rollen für turbulente Unterhaltung sorgte. Nun in Magdeburg "Oscar" - bekannt durch den gleichnamigen Film - im passenden Rahmen. Das Hofspektakel gibt es seit 1977, ist ein Markenzeichen für Spaß und ungezwungene Unterhaltung, ein wenig Frivolität ist fast immer mit im Spiel.

Wer eine Kopie, eine Adaption des Streifens erwartet, geht fehl. Mit der erlebte Funès 1967 seinen Durchbruch. Die Macher haben sich für das Original entschieden: "Oscar, ein Missverständnis in 3 Akten". In den 1960er-Jahren spielte der Komödiant im Pariser Athenaeum Theater bereits den Geschäftsmann Barnier. Mit cholerischen Anfällen war er damals in die Rolle seines Lebens geschlüpft. Die Grimassen des Franzosen wurden zu dessen Markenzeichen.

"Oscar" ist verwirrend. Die Handlung springt von einer Überraschung zur anderen, Verwechslungen gehören dazu. Der Industrielle Pierre Barnier wird eines Morgens in seiner Villa von seinem Buchhalter Albert Leroi besucht, der ihn um eine hohe Gehaltserhöhung bittet. Gleichzeitig gibt der zu, seinem Chef eine große Summe Geld gestohlen zu haben und bittet um die Hand der Tochter. Daraus entwickelt sich eine Geschichte, die in wenigen Worten nicht zu beschreiben ist und für einen Spaß im Publikum sondergleichen führt. Sieben Puppenspieler in der schwarzen Kleidung weiblichen Dienstpersonals agieren in der Inszenierung sicher und gekonnt, entwirren ständig Missverständnisse, behalten den Überblick. Auch die Herren tragen Kleider und teilweise Bart, ein wenig Conchita Wurst scheint da im Spiel. Alle agieren mit den wundervollen Puppen von Atif Hussein, die ein Stück weit skurril sind, herrlich den jeweiligen Typ verkörpern. Oscar mit stechenden Augen hinter der Sonnenbrille, dessen Frau Marie Luise (Leonhard Schubert) - voll wie ein Öltanker - mit einem weinseeligen Lachen im Gesicht und Tochter Colette als schräger Hippie.

Die Spieler entfalten auf der Bühne (Sven Nahstedt) ungeahnte Talente. Luise Bose, als stets kreischende Colette, überzeugt musikalisch mit einer Interpretation "My Baby shot me down" von Nancy Sinatra. Florian Kräuter spielt den Masseur Philippe, dazu Saxofon und Akkordeon, Richard Baborka sitzt, wenn er nicht als Albert Leroi auftritt, am Klavier. Freda Winter gibt die Nicole Bouillon und zeigt mit einem Solotitel ihr Gesangstalent. Lennart Morgenstern, sonst Monsieur Barnier, steht gefühlvoll am Kontrabass. Die musikalischen Einlagen geben der Inszenierung einen besonderen Reiz, lassen den Klamauk des Stücks stets für einem Moment in den Hintergrund treten. Regisseur Moritz Sostmann hat damit Ruhepunkte in das ansonsten schnell und flott gespielte Stück gebracht. Gabi Grauer beweist mit sächsischem Dialekt ihr satirisches Talent und verkörpert Hausdame Bernhardette, die mit ein wenig Glück zur Baronin wird und in prachtvollen Kostümen (Elke von Sivers) ständig präsent ist.

Die Bühne bleibt zurückhaltend, offenbart aber von Zeit zu Zeit Überraschungen. So wird aus einem Podest ein Schwimmbecken, auf dessen Rand alle Akteure als Balletttänzer eine weitere Seite ihres Könnens präsentieren. Augen und Ohren kommen bei "Oscar" nicht zu kurz. Louis de Funès bleibt der gute Geist über allem, nicht mehr und nicht weniger. Diese bewusste Abgrenzung, nicht der Versuch ihn zu kopieren, macht die Inszenierung zu einem Volltreffer. Das Stück soll in der neuen Spielzeit modifiziert auf die Bühne übernommen werden.