Dessau-Roßlau (epd) l Dem Generalintendanten des traditionsreichen Anhaltischen Theaters in Dessau-Roßlau, André Bücker, droht die Ablösung. Die Stadt habe seinen Arbeitsvertrag nicht verlängert und die Stelle neu ausgeschrieben. Bücker werde landespolitisch für nicht mehr vermittelbar gehalten. Er habe sich mit seinen Angriffen auf die Landesregierung als führender Kopf des Widerstands gegen Kürzungen bei den Theatern in Sachsen-Anhalt profiliert.

Mit der Ausschreibung der Stelle zum August 2015 sollen alle Optionen für den Stadtrat offengehalten werden, sagte ein Stadtsprecher. Auch Bücker könne sich bewerben. Der Zeitung zufolge wurden Bückers Angriffe gegen die Landesregierung teilweise als polemisch und beleidigend empfunden. So habe er etwa in einer Inszenierung der "Beggar s Opera" Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) in einer Textzeile mit "kleiner Geist und Größenwahn" in Verbindung gebracht. Ob sich Bücker auf die Stelle bewirbt, ließ er auf Anfrage offen.

Bereits Ende 2013 sollen der damalige Oberbürgermeister Klemens Koschig (parteilos) und Bücker vereinbart haben, den Vertrag bis zur Klärung der Zukunft des Theaters nicht zu verlängern. Inzwischen wurde im Juni ein neuer Fördervertrag mit dem Land abgeschlossen, der bis 2018 gilt. Danach bleiben alle vier Theatersparten erhalten. Im Gegenzug bekommen die Beschäftigten zehn Prozent weniger Gehalt bei entsprechend geringerer Arbeitszeit.

Die Ursprünge des Theaters gehen auf die Gründung eines Orchesters und einer Bühne Ende des 18. Jahrhunderts durch Fürst Leopold Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (1740-1817) zurück.