München (dpa) l Die Wirkung von Bildern ist unbestritten, wobei gemalte vor allem das widerspiegeln, was wahrgenommen werden soll. Sie sind Träger und Vermittler bestimmter Absichten und Botschaften. "DDR Posters – Ostdeutsche Propagandakunst" des Engländers David Heather beschäftigt sich umfassend mit dieser Darstellungsform.

Die Propagandakunst der DDR auf Plakaten ist ein bislang wenig erforschtes Feld der DDR-Geschichte. Rund 9.000 Poster aus den Jahren 1945-1989 beherbergt das Deutsche Historische Museum in Berlin. Der in Lissabon lebende Heather wählte für seinen Band 122 aus, die er chronologisch ordnete und die wenig subtile Meinungsmanipulation der Staatsführung kommentierte (in Deutsch und Englisch). So bestimmen die Themen Nachkriegsfolgen, Frieden und Wiederaufbau die ersten Poster aus den 40er Jahren in der damaligen sowjetischen Besatzungszone.

Soldatengräber, vaterlose Kinder, arbeitende Mütter zieren großformatige Bilder mit mahnenden Sätzen wie "Euer Ja für den Frieden!". Gefolgt von oft martialisch anmutenden Plakaten, die die Bevölkerung gegen die westlichen Alliierten ("Ami, go home") und Westdeutschland als "Kriegstreiber" einnehmen sollten. Interessant hierbei ist, dass gerade die frühen Bilder nicht selten in künstlerischem und Propaganda-Stil jenen aus der Zeit des Nationalsozialismus ähneln. Der Grund liegt auf der Hand: Etliche der Plakatkünstler waren schon unter den Nazis aktiv.
Spätere Poster befassen sich mit der (Zwangs-)Vereinigung von KPD und SPD zur SED und nach der Staatsgründung mit dem sozialistischen Aufbau nach sowjetischem Vorbild, der vor allem eins verhieß: Wohlstand und Frieden – natürlich auch im Jahr des Volksaufstandes 1953.

Produktivität und Engagement jedes Einzelnen und Verständnis für die Erhöhung der Normen wurden eingefordert, der Wettlauf im All als Siegeszug des Kommunismus dargestellt. Gleichermaßen verteufelt wurde auf Plakaten der Einfluss Westeuropas und der USA auf die westdeutsche Politik und deren militärische Bedrohung.

Der verbale Stil auf den Postern verschärfte sich im Laufe der Jahrzehnte, der künstlerische wandelte sich weniger deutlich: Selbst die letzten Plakate zum 40. Jahrestag der DDR 1989 entsprachen in völliger Verkennung der Realität konsequent einer Arbeiter-und-Bauern-Glückseligkeit, die es nie gegeben hat.

David Heather: DDR Posters – Ostdeutsche Propagandakunst. Prestel Verlag, 160 Seiten, 29,95 Euro.

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