Tourtermine: 2. Oktober Burg, 6. Oktober Halberstadt, 21. Oktober Bernburg, 23. Oktober Salzwedel

Vor 25 Jahren hatte Patrick Lindner seinen ersten großen Auftritt. Zum Jubiläum geht das Schlager-Urgestein gemeinsam mit Ireen Sheer auf Tour. Bevor er im Oktober in den Norden von Sachsen-Anhalt kommt, sprach er mit der Volksstimme.


Sie sind ein fleißiger Facebook-Nutzer. Fast täglich posten Sie von Auftritten. Ganz schön modern für jemanden, der mit volkstümlichem Schlager bekannt geworden ist. Patrick Lindner: Natürlich nutzt man gerade in unserem Bereich solch ein Medium unheimlich gerne, um Sachen bekanntzumachen und um Fans von Dingen zu unterrichten, bei denen sie nicht dabei sein können. Auch wenn es so manche Anstrengung erfordert, gehört es mittlerweile zu unserem täglichen Leben dazu.

Als Ihre Karriere startete, konnten Sie nur per Brief mit Fans kommunizieren. Bekommen Sie heute trotz Facebook noch Fanpost?
Viele schreiben mir auch heute noch, weil sie ein Autogramm zugeschickt bekommen möchten. Diese Art von Post ist altbewährt.

Und wie sieht es aus mit seitenlangen Briefen?
Auch die bekomme ich immer noch. Mir schreiben sowohl Ältere als auch Jüngere. Nach wie vor gibt es gerade in unserer Musikrichtung viele Menschen, die unglaublich emotional mit den Liedern umgehen. Da bekommt man öfter mal Briefe, bei denen man merkt, dass man wie eine Vertrauensperson für diese Menschen ist. Sie schreiben von ihren Sorgen und Nöten, wollen sich manchmal aber auch bedanken, weil die Musik ihnen geholfen hat. So habe ich schon mal eine oder zwei Din-A-4-Seiten zu lesen.

Ihr Jubiläum feiern Sie mit einer Tour. Wie kommt es, dass Sie Ireen Sheer mitnehmen? Bei meiner allerersten Fernsehsendung im Jahr 1989 hatte sie meine Patenschaft übernommen. Der Auftritt war natürlich wahnsinnig aufregend für mich. Noch aufregender war aber, dass ein großer Star mich kleinen Newcomer unter seine Fittiche genommen hat. Aus der Patenschaft damals ist eine 25-jährige Freundschaft entstanden. Diese Show war unser Aufhänger, jetzt zum Jubiläum gemeinsam auf der Bühne zu stehen.

Ireen Sheer singt dann mit bei "Die kloane Tür zum Paradies" und Sie stimmen ein bei "Und heut´ Abend hab ich Kopfweh" - oder wie muss man sich das vorstellen? Diese Lieder will das Publikum glaube ich doch vom Originalinterpreten hören. Dennoch gibt´s vieles, was wir gemeinsam präsentieren: einen ganz neuen Titel und auch Altbewährtes - zum Beispiel "Du gehst fort", was Ireen damals mit Bernhard Brink gesungen hat.

Sie sprechen von einer Freundschaft. Halten Sie die tatsächlich seit 25 Jahren lebendig? Ja, absolut. Das kommt nicht allzu oft vor in unseren beruflichen Kreisen, weil jeder immer unheimlich beschäftigt ist und man meist nicht um die Ecke wohnt. Aber gerade im Fall Ireen ist es so, dass wir uns immer privat getroffen haben. Es kommt noch heute vor, dass mein Partner und ich für einige Tage zu ihr nach Tirol fahren. Das ist eine richtige Freundschaft.

Der deutsche Schlager steht bei jungen Menschen hoch im Kurs - man schaue sich nur bei Helene-Fischer-Konzerten um. Wie erklären Sie sich das? In der Musik konnte man schon immer Wellenbewegungen beobachten. Ganz klar gibt es im Moment Interpreten, die ein sehr breites Publikumsspektrum ansprechen - wie zum Beispiel Helene Fischer. Sie ist für mich durchaus ein Ausnahmetalent. Aber sie hat es auch geschafft, dass Mädels sie als Vorbild sehen. Sie möchten gern ihre Haare haben, gekleidet sein wie sie. So wie man im Pop-Bereich gewissen Leuten nacheifert, ist ihr das im Schlager gelungen, wo man es vielleicht nicht erwarten würde. Das hat sie durch ihre Person geschafft. Das Ganze hat dazu beigetragen, dass diese Musikrichtung bei jungen Menschen unheimlich populär geworden ist.

Singt sie überhaupt noch Schlager, oder ist das für Sie schon Pop?
Schlager definiert sich in mehrere Richtungen. Der eine ist moderner angereichert, der andere etwas herkömmlicher. "Atemlos" ist eine Produktion, die ein bisschen anders gestaltet ist - und dennoch ein Schlager.

Hat Sie der Trend zum modernen Schlager mal darüber nachdenken lassen, auch Ihrer Musik eine Verjüngungskur zu verpassen? Nein. Man muss nicht auf jeden fahrenden Zug aufspringen, das könnte auch sehr gefährlich sein. Aber im Allgemeinen hat sich die Produktionstechnik so verändert, dass alles ein bisschen moderner geworden ist - was nicht unbedingt schlecht ist. Ich habe mich mit meiner Musik im Laufe der Jahre natürlich auch verändert.

Sie haben zum Beispiel den bayerischen Dialekt abgelegt. Ja, der ist schon lange weg. Er machte das aus, was man damals als volkstümlich bezeichnet hat. Aber ansonsten muss ich nicht krampfhaft versuchen, meine Produktion so anzulegen, wie es Helene Fischer macht. Das versuchen gerade einige, nicht bei allen bringt das den gewünschten Erfolg.

Einen Vertreter der jungen Generation haben Sie ständig um sich: Ihren Sohn Daniel. Hört er sich Ihre Musik an? Rein interessehalber hört er sie sich an, wenn ich etwas Neues habe. Aber das ist im Moment überhaupt nicht sein Ding.

Als Sie ihn vor 14 Jahren zusammen mit einem Mann adoptiert haben, wurde ausgiebig darüber diskutiert. Werden Sie heute noch oft darauf angesprochen? Das ist nur noch selten ein Thema. Die Adoption wurde so oft angesprochen, mittlerweile weiß es jeder. Er selbst jedenfalls möchte in der Presse außen vor bleiben.

Jetzt gibt es andere Neuigkeiten aus Ihrem Privatleben: Sie werden heiraten, habe ich gelesen. Das war eine reine Zeitungsgeschichte. Sie hat sich aus der Albumveröffentlichung heraus ergeben. Weil der Name "Nur mit deiner Liebe" lautet, wurde ich oft gefragt, ob einige Titel autobiografisch sind. Ich hätte gelogen, wenn ich geantwortet hätte, dass es nicht so wäre. Irgendwann war die erste Überschrift dieser Art zu lesen - das war natürlich die Zeile schlechthin. Dann hat`s der eine vom anderen abgeschrieben, und plötzlich hatte sich das Ding vervielfältigt.

Dann haben Sie noch keine Ringe ausgesucht. Wir kennen uns jetzt seit knapp vier Jahren, da ist noch ein bisschen Zeit. Aber wir sagen, es ist nichts ausgeschlossen.