Magdeburg l Marketing - das klingt doch irgendwie nach BWL? Was hat das denn mit Kunst, Kultur und Museum zu tun? Und: Wie bringt man die Sinnlichkeit einer Ausstellung mit den harten Fakten einer Zielgruppenanalyse und Positionierungsstudie zusammen? Die studierte Franko-Romanistin ist bei dieser Frage sofort hellwach und beginnt zu erklären. "Als Marketingmensch willst du immer wissen, wie kommt dein Produkt an. Und Museen bieten Produkte an - nämlich Kulturprodukte. Wie zum Beispiel unsere Ausstellungen."

Marketing ist ein Managementprozess und ein Begriff, der aus der Betriebswirtschaftslehre kommt. "Gutes Marketing sichert die unternehmerische Zukunft eines Unternehmens und das Überleben am Markt" schreibt die Fachliteratur. Auf ein Museum übertragen heißt das: "Unser Museum lebt von öffentlichen Geldern und natürlich wird der Erfolg unserer Arbeit auch daran gemessen, wie gut wir die einsetzen. Das heißt wie viele Besucher haben wir im Museum und wie wohl fühlen die sich hier bei uns" übersetzt die junge Marketingexpertin die sperrige Fachliteraturdefinition.

Und sie wird noch konkreter. "Wir haben ja jetzt unseren Multimediaguide präsentiert. Das war ein finanzieller Kraftakt. Nun wollen wir natürlich auch wissen, wie der bei den Besuchern ankommt." Das werden die Museumsleute erfahren, wenn sie ihre Studie zur Besucherzufriedenheit durchgeführt haben. Denn auch solche Umfragen gehören zu ihrem Job.

Genormte Arbeitstage gibt es für Judith Mader eigentlich nicht: "Jeder Tag ist anders. Ich pflege unsere Homepage, plane Veranstaltungen rund um unsere Ausstellungen, entwickele zusammen mit den anderen Mitarbeitern des Museums Konzepte, fotografiere und dokumentiere unsere Veranstaltungen und und und ...", beschreibt sie ihren Job.

Für Judith Mader, die auch einen Master für Museum und Ausstellung in der Tasche hat, war es schon während ihres Studiums klar, dass sie im Kulturbereich arbeiten wollte. "Museen haben mich schon immer gereizt und gerade das Magdeburger Kunstmuseum hier im alten `Kloster Unser Lieben Frauen` ist natürlich ein ganz besonderer Ort, um zu arbeiten" erzählt sie enthusiastisch. Museen sind für die junge Frau keine Wissenstempel, sondern öffentliche Orte der Begegnung. Der Begegnung der Menschen untereinander und der Begegnung mit Kunst und Kultur. Und darin sieht sie auch eine Hauptaufgabe ihrer Tätigkeit und die Chance, die Marketing dem Museum eröffnet - Öffentlichkeit zu schaffen. "Was nützt die schönste Ausstellung, die phantasievollste Museumsnacht, wenn es keiner mitkriegt in der Stadt? Zu erreichen, dass wir im Konkurrenzkampf mit den anderen hoch engagierten Kulturarbeitern der Stadt wahrgenommen werden, dafür arbeiten wir hier alle im Kunstmuseum. Vom Servicepersonal bis hin zur Museumsleitung."

Und Judith Mader ist die Schnittstelle der vielen Prozesse. Marketing heißt Kommunikation, Vermittlung und Verbreitung von Ideen genauso wie die Entwicklung von Zielsetzungen, Leitmotiven und Positionierungen. Darin sieht sie den Unterschied zur klassischen Öffentlichkeitsarbeit. "Natürlich arbeiten wir eng mit unserer Pressestelle zusammen. Aber Marketing ist halt mehr als das", erklärt sie.

Kultureinrichtungen der Moderne sind innovativ und kreativ geführte Unternehmen. Der einzige Unterschied zu Wirtschaftsunternehmen ist: Ihr Erfolgsgut ist ein immaterielles. Ihr Profit ist die Akzeptanz der Bevölkerung, sind Besucherzufriedenheit und -zahlen. "Marketing klingt immer so böse. Ich sehe das aber als was ganz Positives gerade im Museumsbereich", erzählt sie und ist schon wieder voller Tatendrang. Ihr neuestes Projekt sind der Museumsshop und das Café im Kloster. "Die müssen wir noch besser vermarkten", sagt sie lächelnd.

Und wenn sie das sagt, dann klingt das ganz sympathisch und nicht mehr nach BWL.