Wer waren die Publikumslieblinge, was die größten Aufreger? Die wichtigsten Fragen rund um die 103. Festspiele von Bayreuth.

1. Im vergangenen Jahr feierten die Bayreuther Festspiele das große Wagner-Jahr mit einem neuen "Ring des Nibelungen", diesmal gab es keine Neuproduktion. War das langweilig?

Keineswegs. Traditionell gibt es nach einem Jahr mit einem neuen "Ring" allein schon aus Kostengründen keine Neuinterpretation - das war, wie vieles auf dem Grünen Hügel, schon immer so. Vier neue Opern wollen schließlich erst einmal gestemmt werden.

Gesprächsstoff gab es aber auch so genug. Schließlich hatte "Ring"-Regisseur Frank Castorf kurz zuvor im "Spiegel"-Interview um sich geschlagen. Und auch während der Festspiele nahm er kein Blatt vor den Mund. Sollte die Festspielleitung im kommenden Jahr versuchen, Einfluss auf seine Arbeit zu nehmen, erwäge er rechtliche Schritte oder einen Ausstieg aus der Produktion. Sauer ist er vor allem, weil die Rolle des Alberich ohne Rücksprache mit ihm umbesetzt wurde. Der Sänger Martin Winkler wurde gegen Oleg Bryjak ausgetauscht.

2. War das der größte Aufreger in Bayreuth?

Der Streit um Castorf ist auf jeden Fall unter den Top drei der Festspiel-Aufreger. Aber auch "Siegfried"-Darsteller Lance Ryan machte von sich reden. "Ich habe noch nie ein Publikum erlebt mit so viel Hass, so viel Wut und so viel Rache", sagte er in einem Interview. Ob das ein Grund ist, warum er nach der "Götterdämmerung" so ausgebuht wurde wie selten ein Heldentenor in Bayreuth, ist nicht bekannt.

In den Schatten gestellt werden diese Personalien allerdings noch von der schnöden Technik. Ausgerechnet die Eröffnungspremiere musste für fast eine Stunde unterbrochen werden, weil sich der Venusberg-Käfig in der "Tannhäuser"-Aufführung nicht hochfahren ließ. Es dürfte sich um ein historisches Ereignis handeln.

3. Apropos "Tannhäuser": Kam die Inszenierung von Sebastian Baumgarten in diesem Jahr besser an?

Nein. Im kommenden Jahr fliegt die Inszenierung, die in einer Biogasanlage spielt, ziemlich früh vom Bayreuther Spielplan - und niemand scheint um sie zu trauern. Sie wurde wieder gnadenlos ausgebuht.

4. Und was ist mit Castorfs "Ring des Nibelungen"? Kam der in diesem Jahr besser an?

Überraschenderweise ja. Auch wenn es nach den ersten drei Teilen nicht danach aussah - nach der "Götterdämmerung" gab es neben lauten Protesten auch begeisterte Bravo-Rufe und Standing Ovations. Castorf hat Fans in Bayreuth.

5. Wer ist der Publikumsliebling?

Der "Lohengrin"-Tenor Klaus Florian Vogt und "Ring"-Dirigent Kirill Petrenko liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Sah es zuerst so aus, als könne niemand dem russischen Pult-Star in diesem Jahr das Wasser reichen, stand das Publikum nach dem "Lohengrin" für Vogt kopf. Nach dem letzten "Ring"-Teil, der "Götterdämmerung", aber scheint Petrenko die Nase wieder ein Stückchen vorne zu haben. Er stellte sogar den Bayreuther Lieblingsdirigenten Christian Thielemann in der Publikumsgunst in den Schatten.

6. Was war am schönsten?

Ganz klar der Ratten-,,Lohengrin" von Regisseur Hans Neuenfels: Eine tolle, streng durchchoreografierte und gleichzeitig ab und an humorvolle Inszenierung, die zu Recht derzeit die Lieblings-Produktion der Bayreuther Zuschauer ist. Und Klaus Florian Vogt singt einfach grandios, auch wenn er sich dafür vielleicht ein bisschen zu lange feiern lässt.

7. Waren wirklich weniger Prominente da als sonst?

Die Zaungäste bei der Eröffnung waren sich einig: So wenig Promis waren selten auf dem Grünen Hügel. Kamen im vergangenen Jahr noch Bundespräsident Joachim Gauck und fast das ganze Bundeskabinett zur Eröffnung, waren es in diesem Jahr fast nur Mitglieder des bayerischen - und Ex-Außenminister Hans Dietrich Genscher.

Thomas Gottschalk ließ sich nicht blicken - ebenso wenig wie Hannelore Elsner und Iris Berben. Und das, obwohl die beiden Schauspielerinnen bis zum Schluss auf der Gästeliste standen.

8. Und was ist mit der Kanzlerin?

Sie ist seit mehr als 20 Jahren Stammgast und sie war auch in diesem Jahr da - allerdings erst später. Die Eröffnung ließ sie, aus terminlichen Gründen, wie Festspiel-Sprecher Peter Emmerich sagte, ausfallen. Sie trug einen blauen Zweiteiler mit langem Rock und Blazer, der dem vom vergangenen Jahr verdächtig ähnelte. Zum "Lohengrin" kam sie in einem Ensemble gleichen Stils - allerdings in Lila. Passend zum Abschluss des "Castorf-Rings" mit der "Götterdämmerung" kam sie ganz in Bunt. (dpa)