Mit 75 Jahren geht Peter Kraus wieder auf Tournee. Diesmal soll es die letzte sein. Im März lässt die deutsche Rock `n` Roll-Legende auch in Magdeburg seine Hüften kreisen. Ob er danach wirklich aufhört, verriet er Volksstimme-Redakteurin Elisa Sowieja.

Volksstimme: Wann haben Sie zuletzt ein Interview gegeben, in dem Sie nicht auf Ihr Alter angesprochen wurden?
Peter Kraus:
Oh Gott. Wahrscheinlich war das irgendwann vor meinem 70. Geburtstag. Aber in den Wochen danach: Naja...

Ärgert Sie das ein bisschen?
Es ärgert mich überhaupt nicht. Ich habe den Geburtstag bewusst zum Anlass genommen, um etwas Promotion für mein Album und meine Tournee zu machen. Denn ich gehöre zu den Künstlern, die für solche Zwecke wenig zu bieten haben: keine Skandale, keine Affären, keine Drogensucht. Ich hätte meinen Geburtstag sonst wahrscheinlich gar nicht groß gefeiert. Normalerweise lasse ich diese Tage einfach links liegen.

Sie können da ja auch entspannt sein. Schließlich sehen Sie mit 75 besser aus als mancher 60-Jährige. Wie machen Sie das?
Ich weiß es nicht. Ich glaube, das ist einfach ein Resultat eines Lebens, das nach anfänglich einer wilden Zeit sehr vernünftig geführt wurde. Ich habe mir zum Ziel gesetzt, nicht ewig jung bleiben zu wollen, sondern jedes Jahrzehnt neu zu genießen mit dem, was ein bestimmtes Alter bietet. Ich denke, so bleibt man im Endeffekt jugendlicher, als wenn man verkrampft jugendlich bleiben will.

Dann ist es reine Kopfsache? Ich hätte auf Fitness getippt - zum Beispiel dreimal täglich Training im Kraus `schen Hüftschwung.
Nein, nein. Den Hüftschwung kann ich automatisch. Er ist mir angeboren und bleibt bis zum Sterben. Es ist wirklich eher eine Einstellungssache. Ich genieße es zum Beispiel auch, das Leben zu führen von einem, der 75 ist.

Auf große Tour zu gehen gehört aber normalerweise nicht zum Leben eines 75-Jährigen. Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen?
Ich bin eher auf die Idee gekommen, zum letzten Mal eine Tournee zu machen. Das nimmt man mir oft nicht ab - aber es ist so. Ich mache einen Rückzug, denn das Tourneeleben ist schon brutal hart. Ich spreche jetzt nicht von den Auftritten auf der Bühne, die sind die Belohnung für das harte Leben. Aber das ganze Drumherum: Jeden Abend fit zu sein und sich nach dem Auftritt wieder vorzubereiten für den nächsten Abend, das ist ein bisschen mühsam. Aber Einzelkonzerte wird es sicherlich noch geben, denn es macht einfach tierisch Spaß, auf der Bühne zu stehen.

Sie hätten auch ohne Abschiedstour aufhören und den Fans das Ende Ihrer Live-Karriere einfach mitteilen können.
Nein. Man muss ja auch ein bisschen geschäftstüchtig denken. Außerdem ist es eine Verpflichtung, es den Leuten vorher mitzuteilen. Ich denke da wirklich nicht nur an die vollen Häuser, die man dadurch eher bekommt - sondern an Menschen, die sagen: Wenn er das letzte Mal spielt, möchte ich dabei sein. Die Fanclubs haben teilweise 75 Jahre alte Mitglieder, die seit dem 16. Lebensjahr dabei sind. Denen kann man nicht einfach sagen: Kinder, das war`s. Das wäre nicht freundlich. Ich stamme aus einer Zeit, in der man der Kumpel seiner Fans sein musste - nicht irgendein Halbgott, der den großen Macker spielt. Ich habe versucht, diese Art beizubehalten.

Ihren Lebensstil auf Tour hingegen haben Sie offenbar nicht beibehalten. Gibt es jetzt hinter der Bühne nur noch Tee?
Nein, nein. Hinter der Bühne gibt`s vor dem Auftritt noch einen Schluck zu trinken - zum Beispiel einen Prosecco. Und vor der Zugabe trinke ich immer ein frisches Bier. Was sich geändert hat, ist, dass man nicht mehr mit seinen Musikern bis 3 Uhr in der Bar sitzt.

Ihr neues Album, das Sie auf Tour präsentieren, besteht aus Covern von heutigen Songs im Stil der 50er Jahre. Wie haben Sie einen Draht zu Liedern von Hip-Hoppern und einem Jungspund wie Tim Bendzko gefunden?
Ich habe mir die Musik angehört und versucht herauszufinden, warum sie erfolgreich ist. Meistens liegt es an der Textidee. Unsere Songs früher drehten sich eigentlich nur um Verliebtsein oder Traurig-sein. Das war sehr schlageresk. Heutige Texte wie die zu "Nur noch kurz die Welt retten" und "Emanuela" finde ich großartig. Ich wünschte, man hätte mir solche Nummern in den 50er Jahren angeboten. Für das Album haben wir überlegt: Wie hätten wir diese Texte und Musik damals aufgenommen? Wir sind - auf witzige Art - einfach davon ausgegangen, dass Tim Bendzko jetzt die Coverversion meines Songs aus den 50er Jahren gemacht hat.

Stammt die Idee von Ihnen?
Sie stammt von den Produzenten der Baseballs.

Deren Mitglied Sebastian Rätzel übrigens Magdeburger ist.
Ja, genau. Die Produzenten hatten den Gedanken, das, was die Baseballs machen, mal auf Deutsch zu versuchen. Einem fiel ein: Da gibt es einen, der noch lebt und populär ist. Als sie dann an mich herantraten, war ich gerade am Grübeln, was ich zur Tournee mache. Da kam der Vorschlag im idealen Moment, ich habe mich gleich ins Flugzeug gesetzt. Dazu kam das Glück, dass wir uns, obwohl wir unterschiedlichen Generationen angehören, sofort verstanden haben. Es hat einfach funktioniert, und wir hatten echt Spaß. Allerdings war es eine langfristige Arbeit, denn so etwas funktioniert nicht mit jedem Song.

Das Ergebnis präsentieren Sie ab Herbst in 47 Orten. Nehmen wir an, nach Tourende verspricht Ihnen ein Songschreiber 50er-Jahre-Musik mit Tim-Bendzko-artigen Texten: Können Sie sich vorstellen, doch nochmal zu touren?
Mit einem tollen Lied geht man noch nicht auf Tour. Man muss erst einmal eine Platte machen und schauen, ob sie ein Erfolg ist. Tim Bendzko hat einen Hit und macht dann gleich ein Stadion voll. Bei Künstlern wie Udo Jürgens, Reinhard Mey oder mir ist das anders. Wir brauchen keinen Hit, sondern haben unser Publikum. Natürlich wäre ich sofort dabei, wieder eine Platte zu machen. Wenn das dann ein Erfolg wird, dann wäre die Versuchung sicher groß, auf Tour zu gehen. Aber das ist drei Schritte weitergedacht. Mal abwarten.

Peter Kraus spielt am 28. März 2015 in der Stadthalle Magdeburg.