Kiel (dpa) l Für Ex-Rosenstolz-Sänger Peter Plate ist Shakespeares Liebestragödie "Romeo und Julia" aus dem 16. Jahrhundert hochaktuell. Ihn fasziniere der überhaupt nicht zynische Umgang mit dem Thema Liebe, sagt Plate im dpa-Interview. Bei der Weltpremiere seiner Musicalversion - eine Open-Air-Produktion der Kieler Bühnen ist der 47-Jährige dabei.

Ist das Ihr erstes Musical?
Peter Plate:
In meiner Schulzeit hatte ich mit zwei Freundinnen ein Musical "Justus und das Land der Träume" geschrieben. Das war sehr ambitioniert. Insofern ist das jetzt fast wie eine Rückkehr.

Wer hatte die Idee zu "Romeo Julia - das Musical"?
Der Kieler Intendant Daniel Karasek ist auf uns zugekommen "Lass uns mal einen Kaffee trinken..." - und nach fünf Minuten waren wir schon dabei loszulegen. Anfangs war an drei oder vier Lieder gedacht, am Ende sind es 15 Songs einschließlich Ouvertüre geworden.

Ist es ein durchkomponiertes Musical oder Musiktheater mit Songs?
Eher Musiktheater, wobei ich mich frage, warum wir Deutschen immer Schubladen brauchen - am Broadway ist alles Musical.

Hat Ihre Musik eine dienende Funktion fürs Stück oder ist die Musik die Hauptsache?
Handlung und Musik - das eine funktioniert nie ohne das andere, das muss immer Hand in Hand gehen. Text und Musik müssen zueinander passen.

Wie sind Sie vorgegangen?
Wir haben zunächst Shakespeare neu übersetzt und überlegt, an welchen Stellen es schön wäre, Musik zu hören. Wir sind da einfach wie die Kinder rangegangen, sind dem Lustprinzip gefolgt. Wir haben uns morgens getroffen und das gemacht, worauf wir Lust hatten.

Haben Sie vor dem Komponieren sich als Inspiration Bernsteins "West Side Story" oder das 2001 uraufgeführte französische Musical "Roméo et Juliette - de la Haine à l`Amour" von Gérard Presgurvic angehört?
Ich habe mir überhaupt nichts angehört, ich glaub`, dann wäre ich nervös geworden...

...weil mit Bernstein die Messlatte arg hoch liegt?
Plate (lachend): Ja natürlich und man will auch nicht kopieren, sondern seinen eigenen Stiefel durchziehen.

Erwartet die Zuhörer typische Rosenstolz-Musik?
Ich denke schon, dass die Handschrift von Ulf (Sommer) und mir zu erkennen ist. Die Schauspieler singen bei den Aufführungen, dazu spielt jeden Abend live eine echt gute Rock-Popband des Theaters - besetzt mit Gitarren, Keyboard, Bass, Schlagzeug. Das Album erscheint am 22. August.

Sind es eigene Liedtexte oder umformulierte Shakespeare-Passagen?
Natürlich haben wir uns von Shakespeare inspirieren lassen, aber größtenteils dafür eigene Worte zu finden versucht. Einzige Ausnahme ist der wunderbare Text "Natur" von Pater Lorenzo. Das ist 100 Prozent Shakespeare, da haben wir gesagt, das muss so bleiben.

Haben Sie für die Musik eine Leitidee, einen roten Faden, etwa "Die Liebe ist das, was die Welt zusammenhält"?
Mich hat Shakespeares überhaupt nicht zynischer Umgang mit der Liebe fasziniert und gereizt. Wir Deutschen haben immer das Problem, alles infrage zu stellen oder zynisch heranzugehen. Wir haben Angst, vor Kitsch und Pathos - die habe ich nicht! (lacht laut)

Glauben Sie an die Liebe?
Ich glaube absolut an die Liebe. "Romeo und Julia" ist so hochaktuell, weil die Idee der romantischen Liebe - egal wie lange wir uns schon auf diesem Planeten bewegen - immer noch total neu ist. Zwei Aspekte sind dazugekommen: Die Menschen leben immer länger und die Liebe wird oft von materiellen Bedingungen diktiert. Insofern glauben wir alle an die Liebe, aber inwieweit wir alle sie erleben dürfen, ist eine offene Frage.

Haben Sie die Musik aus einer optimistischen Grundhaltung komponiert oder gibt es Brechungen?
Die gibt es schon. Ulf und ich erinnerten uns, wie das war, als man das erste Mal geliebt hat. Ich war sein bester Freund, dann waren wir 20 Jahre ein Paar. Heute sind wir kein Liebespaar mehr, aber Freunde. Insofern konnten wir darüber reden, wie das ist, wenn man sich noch mal im fortgeschrittenen Alter verliebt. Eigentlich ist man genauso wahnsinnig, man wird noch genauso verrückt. Später verwandelt sich Verliebtsein in Liebe und dann hat es etwas Beruhigendes und Schönes, eine Verlässlichkeit, eine Konstante - aber wenn man verliebt ist, ist man im Ausnahmezustand - und es ist egal, ob du 15 oder 40 bist. Mit 70 ist es vermutlich noch genauso.

Bereits vor der Uraufführung am Sonnabend sind alle 16 Aufführungen ausverkauft. Hat die Marke Rosenstolz mitgeholfen?
Das Kieler Theater macht seit Jahren exzellente Arbeit. Auch ein paar Rosenstolz-Fans werden kommen - insofern ist es ein Zusammenspiel von allem: Shakespeare, das weltberühmte Stück, das Theater, unsere Musik und die Open-Air-Location direkt am Wasser.

Welche Hoffnungen haben Sie für das Musical?
Ich würde mir wünschen, dass andere Theater es auch inszenieren oder es viele Jahre in Kiel läuft.