Halle, Stiftung Moritzburg, bis 2. November, täglich geöffnet 10-18 Uhr, Do bis 20 Uhr.

Halle l Die Palme weist den Weg. Auch wenn sie hierzulande nur selten zu ansprechender Größe gedeiht, war sie doch im Barock ein gern verwendetes Sinnbild. In der Moritzburg in Halle zeigt sie den Besuchern - als pfeilartiger Bodenaufkleber - den Weg durch die neue Ausstellung, die den etwas umständlichen Titel "Im Land der Palme. August von Sachsen (1614-1680) Erzbischof von Magdeburg und Fürst in Halle" trägt. Sie ist einem Fürsten gewidmet, der Erzbischof von Magdeburg, Fürst in Halle, Fürst von Sachsen-Querfurt, Herzog von Sachsen-Weißenfeld und später auch von Barby war, um nur die wichtigsten Ämter zu nennen. Seine Titel und Ehrennamen füllen eine riesige Ausstellungswand, und doch ist dieser August heute nahezu unbekannt.

Deshalb nähert man sich dieser Ausstellung neugierig und skeptisch zugleich, denn was sollte es über einen August von Sachsen, der so wenig in Erinnerung geblieben ist, zu sagen - und auszustellen - geben? Am Ende der Ausstellung wird man einen Landesherren kennengelernt haben, der viele Spuren in Mitteldeutschland hinterlassen hat, auch wenn sich wenige daran erinnern. Er, der uns auf Porträts gern als starker, selbstbewusster, reich geschmückter Mann in Rüstung gegenübertritt, brachte den Glanz barocker Hofhaltung in seine Residenz nach Halle und damit in einen Landstrich, der vom Dreißigjährigen Krieg arg mitgenommen war, er förderte Musik und Kunst, baute das Schloss in Weißenfels neu und war der letzte Präsident der Fruchtbringenden Gesellschaft.

Die Verwicklungen zu verstehen, fällt nicht leicht


Die politischen Bedingungen und Verwicklungen in der Ausstellung zu verstehen, fällt nicht leicht, da es um Machterhalt und Machtverlust, um katholische und evangelische Herrschaftsansprüche, um komplizierte Erbverträge und andauernde Bedrohungen geht. Doch das kann man nachlesen. Die Ausstellung mit ihren tiefroten Wänden, ihren effektvoll beleuchteten Schätzen, ihren herrlichen Urkunden, wunderbaren Stichen und selten gezeigten Büchern vermittelt vor allem eine Erkenntnis: Dieser August, 1614 in Dresden geboren und aus dem Geschlecht der Wettiner, war ein großer und wichtiger Herrscher.

Dass er bald vergessen war und erst jetzt, anlässlich seines 400. Geburtstages, umfassend geehrt wird, führen die Ausstellungsmacher vor allem auf seine Nachfolger zurück. Nach seinem Tod wurde das Erzstift Magdeburg brandenburgisch und seine Nachfolger hatten wenig Interesse, ein Loblied auf den Vorgänger zu singen. "Die Geschichtsschreibung in Brandenburg-Preußen suchte den Vorgänger zu minimieren bisweilen zu diskreditieren", schreiben die Kuratoren Ulf Dräger, Andrea Thiele und Joachim Säckel.

Ein mitteldeutsches Phänomen


Doch die Zeiten kleingeistiger Beschäftigung mit dem eigenen Territorium in den gerade aktuellen Grenzen scheinen vorbei. "August von Sachsen ist eine Persönlichkeit der Geschichte in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt, also ein mitteldeutsches Phänomen", erklären die Kuratoren.

Dieser weite Blick ist das Sympathische, Lehrreiche an dieser Ausstellung: Sie fügt dem heute aktuellen sachsen-anhaltischen Selbstbild vom Land der Reformation eine neue, früh-barocke, prächtige Komponente hinzu. Dass viele der Ausstellungsstücke - Waffen, Rüstungen, Gemälde - heute vor allem die Dresdner und Berliner Sammlungen schmücken, zeugt einerseits von ihrer Qualität und ist andererseits ein weiterer Grund für das jahrhundertelange Vergessen des Hallenser Herrschers.

Für eine kleine Weile - die Ausstellung dauert bis 2. November - kehren sie nun zurück an ihren Ursprungsort und erzählen die Geschichte eines Mannes und seiner Zeit, deren Spuren nicht nur Mitteldeutschland, sondern die gesamte deutsche Sprache prägen.

Denn August, der "Wohlgeratene" war auch der letzte Präsident der "Fruchtbringenden Gesellschaft". Deren Wirken für eine einheitliche, erneuerte deutsche Sprache kann gar nicht oft genug gewürdigt werden. Auch wenn unser Fenster heute nicht "Tageleuchter" heißt, so haben wir doch so wunderbare, neue Wörter wie "Augenblick" und "Leidenschaft", "Trauerspiel" und "Ausflug" von der sprachbewussten Köthener Gemeinschaft geschenkt bekommen.

Daran erinnern Schriftbänder in der Ausstellung. Die sind so schön, dass man sie am liebsten als Plakat oder Postkarte mit nach Hause nehmen würde, um sich immer wieder an eine Ausstellung voller Entdeckungen und neuer Einsichten zu erinnern.

   

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