Frankfurt/Main (dpa) l Es ist der 25. August 1944, die Alliierten haben den deutschen Riegel vor Paris durchbrochen und stehen vor der Stadt. Adolf Hitler hat zwei Tage zuvor den Befehl erlassen, dass Paris dem Feind "nicht oder nur als Trümmerfeld" in die Hand fallen dürfe. Die Truppen des Generals von Choltitz, der noch nie einen Befehl infrage gestellt hat, haben sämtliche Brücken der Stadt vermint, auch der Louvre, Sacré-Coeur und der Eiffelturm sind sprengbereit - der General müsste nur noch den letzten Befehl geben.

In seinem Film "Diplomatie" inszeniert Volker Schlöndorff das Drama hochspannend als ein Psychoduell zwischen zwei völlig ungleichen Männern: Ein nobler schwedischer Diplomat (André Dussollier) bringt den zu allem entschlossenen Nazi-General (Niels Arestrup) von seinem mörderischen Plan ab, die Stadt in die Luft zu sprengen.

Historisch belegt sind mehrere Gespräche zwischen dem deutschen General und dem schwedischen Emissär. Im Film sind diese Treffen auf die letzten, alles entscheidenden Stunden verdichtet.

Vorlage für "Diplomatie" war das gleichnamige Theaterstück des französischen Dramatikers Cyril Gély, der auch mit das Drehbuch schrieb. Dass der Film trotz seines Charakters als Kammerspiel bis zur letzten Minute spannend bleibt, ist vor allem den großartigen Hauptdarstellern zu danken.Der Franzose Niels Arestrup ("Schmetterling und Taucherglocke", "Ein Prophet") umgeht bei seinem linientreuen, gnadenlos disziplinierten General die herkömmlichen Klischees.

Und sein Counterpart André Dussollier ("Mélo", "Das Leben ist ein Chanson") verleiht dem schwedischen Generalkonsul Raoul Nordling trotz allen Gutmenschtums ein faszinierendes Schillern.

Beide Darsteller standen in Paris mit dem Erfolgsstück schon 300 Mal zusammen auf der Bühne. Die dritte Hauptrolle des Films spielt - in wunderbaren, emotionalen Bildern (Michel Amathieu) - die Stadt Paris.

Drei Millionen Euro hatte Schlöndorff für die französisch-deutsche Ko-Produktion zur Verfügung. Der Regisseur kehrt damit nach seinem Kriegsfilm "Das Meer am Morgen" erneut zu seinem Lebensthema zurück - der Auseinandersetzung mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte.