Rahmenprogramm

26. September: Buchpräsentation mit der Autorin Yvonne Fiedler (Leipzig) "Kunst im Korridor: Private Galerien in der DDR zwischen Autonomie und Illegalität"

9. November: Premiere des Stückes von Lothar Trolle "Ein Vormittag in der Freiheit oder Sie gestatten, Lehmann, vorn mit L wie Lenin", Regie von Wolf Bunge, weitere Vorstellungen geplant

Geplant, beide Termine stehen noch nicht fest: Filmvorführung zu "Anderson", ein Film von Annekatrin Hendel über Sascha Anderson, der auf der jüngsten Berlinale Premiere hatte, anschließend Gespräch mit Annekathrin Hendel und Dietrich Bahß, der Protagonist im Film ist.

Film, Gespräch und Konzert: "Im Namen des Herrn", Kirche, Pop und Sozialismus, mit Regisseur Tom Franke

Magdeburg l Conny Bauer mit Posaune, Juckreiz unplugged, Lothar Trolle mit Manuskripten in der Hand. Trolle liest zur Ausstellung von Uli Wüst, Heiner Müller zu Arbeiten von A. R. Penck. Ausstellungen in der privaten Wohnung von Ingrid und Dietrich Bahß. 1981, 1982, 1983. Menschen drängen sich dicht, Dietrich Bahß hält alles mit der Kamera fest, immer schwarz-weiß, immer ohne Blitz.

Diese Dokumente fern des gewünschten DDR-Kulturbetriebs sind Kernstück der Ausstellung im Forum Gestaltung (Organisation: Norbert Pohlmann, Norbert Eisold). 100 Arbeiten aus den Jahren 1979 bis zur Ausweisung 1983 zeigt der heute in Köln und Werben (Altmark) lebende Bahß: den Hasselbachplatz und das angrenzende Quartier, grau in grau alles, befreundete Magdeburger Künstler wie Günter Pilling, Helmut Biedermann, Lutz Heider, den Alltag zu DDR-Zeiten zwischen Druschba-Fest und Drachensteigen, Kaffeehausbilder aus dem "Liliput", Rockmusiker und ihre Fans, die sozialistische Produktion mit Gießern in den Harzer Werken. "Working Class Hero" heißen sie bei Bahß.

Eine bemerkenswerte Fotoreihe zeigt einen jungen Mann auf einer Party. Es ist seine letzte Fete vor dem Beginn der Zeit in der Nationalen Volksarmee. "Rainer zieht in den Krieg" titelte der Fotograf die Serie, die ihn bis auf den Domplatz geführt hatte, wo sich am 1. November 1981 die Rekruten vor dem Wehrkreiskommando versammeln mussten. "Ich wurde gesehen. Mir wurde das Fotografieren verboten", erinnert er sich an jenen grauen frühen Morgen. Einen Rollfilm mit zwölf Bildern hat er verbraucht. Da musste jedes Motiv, jede Einstellung sitzen.

Bespitzelt, bedroht und als Staatsfeind ausgewiesen

Dietrich Bahß habe das Beschäftigen mit dem Thema, die Zusammenstellung der Bilder viel Kraft gekostet, sagt er. Nicht nur, weil er Persönliches preisgebe. "Es gibt Dinge, die vernarben nicht. Nie."

Zu tief sitzen die Erinnerungen an die Bespitzelungen durch die Staatssicherheit, die Drohkulisse, die Ausweisung 1983 als Staatsfeind der DDR, der Neustart im damals so fernen Köln. Dort arbeitete er als Fotograf und Dozent für Foto, Film und Video, als Produktionsleiter fürs Fernsehen. "Das DDR-Kapitel ist für mich abgeschlossen." Doch 25 Jahre Mauerfall und die Anfrage von Jörg Stoye, Leiter der BStU-Außenstelle Magdeburg (Stasi-Unterlagen-Behörde), habe ihn zur Ausstellung - Kooperationsprojekt der Behörde und der Havemann-Gesellschaft, bewogen.

Am Dienstagabend wird zur Vernissage geladen. Nicht nur die Fotografien, auch Musik wird an die einstigen kulturellen Zusammenkünfte in der "Hegel 33" erinnern. Juckreiz wird spielen, und Johannes Andratschke singt "Working Class Hero". Der Berliner Journalist Hartmut Krug spricht zur Ausstellungseröffnung.

Vernissage am Dienstag 19.30 Uhr im Forum Gestaltung; bis 19. Dezember jeweils montags bis freitags 14 bis 18 Uhr.

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