Mit "Zu jung" und "Ich will nicht nach Berlin" schrieb die Band Kraftklub Ohrwürmer. Kommenden Freitag erscheint das neue Album "In Schwarz" der Chemnitzer Indierocker. Die teilweise schon ausverkaufte Deutschland-Tournee führt die fünf Jungs am 8. März auch nach Magdeburg. Alexander Dinger sprach mit Sänger Felix Kummer.

Magdeburg und Chemnitz sind sich in Größe und Struktur ähnlich. Eigentlich könnte Kraftklub doch auch aus Magdeburg kommen. Oder?
Felix Kummer:
(lacht) Von den Leuten her auf jeden Fall. Magdeburg ist ja wie Chemnitz eine Stadt ohne Zentrum. In Magdeburg wollte ich bei unserem letzten Auftritt Briefmarken kaufen. Da fragte ich in einem Schreibwarenladen, wo es denn zur Innenstadt geht. Als Antwort bekam ich: "Sie stehen direkt drin." Wir Chemnitzer wissen, wie sich das anfühlt. Bei unserem Aufritt war damals auch Handballer Stefan Kretzschmar. Danach waren wir auf einer der besten Aftershow-Partys der gesamten Tour.

In der Wochenzeitung "Die Zeit" haben Sie gemeinsam mit ihrem Vater (dem Künstler Jan Kummer) ein Interview gegeben. Da hieß es, dass Sie Chemnitz vielleicht verlassen. Ist das noch Thema?
Wir leben alle noch in Chemnitz. Das Thema ist aber immer da. Es geht irgendwie immer darum, wer von unseren Freunden noch da ist, wer wiedergekommen oder weggezogen ist. Wir fühlen uns hier aber im Moment sehr wohl und haben künstlerisch das Gefühl, dass hier gerade was am Brodeln ist. Es kommen wieder mehr junge Menschen her. Wir sind vielleicht gerade an einem Punkt, wo Leipzig vor fünfzehn Jahren war. Aber das dürfte ja in Magdeburg ähnlich sein. Wir haben das Gefühl, dass den Leuten gerade auffällt, dass es außer München, Hamburg und Berlin noch andere Städte gibt.

Ihr Video zur neuen Single "Unsere Fans" sieht aber schwer nach Karibik aus. Wo haben Sie gedreht?
Auf Mallorca. Wir waren noch nie da, und dabei haben wir über diese Insel schon so viele RTL-II-Produktionen gesehen. Wir haben es aber leider nicht bis auf den Ballermann geschafft.

Nicht kleckern, sondern klotzen: Das Video ist ja aber gerade eine Persiflage auf jenes Ballermann-Klientel.
(lacht) Wir hätten gern noch ein paar der einschlägigen Diskotheken besucht.

Zwischen dem Debüt "Mit K" und der zweiten Platte "In Schwarz" sind anderhalb erfolgreiche Jahre vergangen. Was haben Sie in der Zwischenzeit gemacht?
Wir sind vor allem auf große Reise gegangen und haben bis zum Erbrechen getourt. Das haben wir ein dreiviertel Jahr gemacht, und dann haben wir uns wieder im Proberaum verkrochen. Das war im Januar. Wir hatten keine Lust mehr auf Proben und Konzerte, sondern wollten etwas Neues. Das waren dann tatsächlich die ersten Grundsteine für die neue Platte.

Auf der neuen Platte erkennt man nach den ersten Takten, dass hier Kraftklub spielen. Würden Sie sagen, dass die Band ihren Stil gefunden hat?
Genau über dieses Thema haben wir uns keine Gedanken gemacht. Und das finde ich im Nachhinein sehr gut. Wir haben einfach die Musik weiter gespielt, die wir selber gern hören würden.

Neben Tour und neuem Album haben Kraftklub in diesem Jahr auch sehr erfolgreich das "Kosmonaut-Festival" mit vielen Stars und Tausenden Besuchern organisiert. Sind Sie unterbeschäftigt?
Wir sind hyperaktiv. Das war schon in der Schule unser Problem. Das können wir nun kanalisieren, indem wir Musik spielen und veranstalten. Das kennt man doch auch als Magdeburger. Man ist in anderen größeren Städten unterwegs, sieht tolle Dinge und fragt sich, warum es das bei einem zu Hause nicht gibt. Und unsere einprägsamsten Erlebnisse waren Festivals. Wer weiß, wenn wir anderthalb Jahre lang durch Restaurants getourt wären, hätten wir in Chemnitz vielleicht ein Restaurant eröffnet (lacht).

Früher fand auf dem Gelände ja das Splash, Europas größtes Hip-Hop-Festival, statt.
... wo wir selbst als Besucher waren. Jetzt selbst so etwas zu organisieren, ist überwältigend. Damit konnten wir nicht rechnen. Wir können jetzt guten Gewissens das dritte Jahr planen.

Im Video zu "Unsere Fans" sieht man, dass Sie gern schauspielern. Haben Sie schon Anfragen bekommen?
Tatsächlich. Matthias Schweighöfer hatte kürzlich mal angefragt, ob ich mir das vorstellen könnte. Ich würde gern mal eine Leiche in einem Krimi spielen.

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