Neue Schauspieldirektion, eine Kinderoper, Premieren an einem Donnerstag, ein Kompositionsauftrag. Die am 18. September beginnende neue Spielzeit des Theaters Magdeburg ist von einigen Veränderungen geprägt. Generalintendantin Karen Stone wirft im Gespräch mit Grit Warnat einen Blick auf die Spielzeit.

Sie sehen gut erholt aus. Der Urlaub war schön?
Karen Stone:
Eigentlich hatte ich harte Arbeit. Ich habe nämlich meinen Segelschein gemacht. Nach meiner Theorieprüfung habe ich jetzt im Sommer meine praktische Prüfung bestanden. Wenn man segelt, auch bei Ebbe und Flut, muss man unglaublich viel kalkulieren, ich brauchte Mathematik. Glauben Sie mir, das war eine große Herausforderung. Aber ich will keine Bequemlichkeit. Ich will mich herausfordern.

Der Spielzeitauftakt mit Wagners Oper "Lohengrin" findet in diesem Jahr an einem Donnerstag statt. Das ist terminlich gesehen mutig. Werden Sie für diesen Mut im Kartenverkauf belohnt?
Ja, es läuft gut. Wir müssen immer wieder auch Neues angehen und überprüfen. Es gibt Theater, die machen stets an einem Montag ihre Premieren, die Komische Oper Berlin immer an einem Sonntagabend. In Magdeburg gibt es viele Menschen, an der Universität, in der Landesregierung, die nur in der Woche in Magdeburg wohnen. Ihnen wollen wir die Premieren-Erfahrung ermöglichen. Auch "La Bohème" im Januar wird an einem Donnerstag Premiere haben. Wir werden sehen, wie das angenommen wird. Es ist ein Versuch in dieser Spielzeit.

"Wir sind als Auftraggeber mit dabei. Das ist Neuland für uns."

Die Oper zum Spielzeit-Auftakt inszenieren Sie nicht selbst. Sie haben sich für "Così fan tutte" entschieden. Das ist wie schon im vergangenen Jahr eine Mozart/Da-Ponte-Oper. Warum?
Ich liebe die Da-Ponte-Opern, ich kenne sie auch sehr gut. Ich habe sie selbst korrepitiert, spreche italienisch und habe bereits viel mit dieser Musik gearbeitet. Im vergangenen Jahr haben wir "Die Hochzeit des Figaro" aufgeführt, die Einstudierung mit unserem jungen Ensemble hat sehr viel Spaß gemacht. Bei Mozart lernen die Sängerinnen und Sänger, sich freizuspielen.

Sie wollen diesen Weg fortsetzen?
Unbedingt. "Don Giovanni", "Die Hochzeit des Figaro", jetzt im Oktober "Così fan tutte". Ausgehend von zwei jungen Frauen, die in den Urlaub fahren und sich verlieben, erzählt "Così fan tutte" eine Geschichte voller emotionaler Verwicklungen, in deren Mittelpunkt die Frage der Treue steht. Ich denke, jeder kann sich in irgendeiner Form mit diesem Stoff identifizieren und das Ensemble natürlich auch. Die Sänger bringen viel Eigenes von sich ein: Das gefällt mir.

Die Regiearbeit für Wagner war für Sie keine Option?
Nein. Es ist nicht mein Stück. Meine Richtung ist Mozart.

Im April 2015 zeigt Ihr Haus die Kammeroper "Der Prozess" von Philip Glass. Es ist ein Kompositionsauftrag. Das Theater betritt damit Neuland.
Dieses Projekt ist etwas wirklich Besonderes, weil wir als Theater Co-Produzenten und Co-Auftraggeber sind. Wir haben in Zusammenarbeit mit dem Music Theatre Wales und dem Linbury Studio Theatre des Royal Opera House Covent Garden den Komponisten Philip Glass beauftragt, das Stück zu schreiben. Das Theater Magdeburg ist als Auftraggeber mit dabei. Das ist Neuland für uns. Wir sind sehr stolz darauf, Philip Glass ist schließlich kein Lokalheld, sondern einer der bedeutendsten Komponisten unserer Zeit. Er findet weltweit Anerkennung.

Wie sieht die Kooperation aus?
Wir haben die Bühne hier bei uns gebaut und die Kostüme geschneidert. Alles ist schon in England. Die Uraufführung ist im Oktober in London geplant. Die deutsche Erstaufführung findet dann Anfang April bei uns in Magdeburg statt. Es gab auch eine musikalische Zusammenarbeit und viele Absprachen zwischen den Theatern. Einige Mitarbeiter von uns waren in London dabei, als dieses völlig neue Stück zu leben begann. Wissen Sie, mit solch einem Projekt fließt eine unglaubliche positive Energie durch unser Haus.

Ist das Stück für Sie ein Highlight in der neuen Spielzeit?
Absolut. Kafka und dessen Alptraumwelt des Bankprokuristen Josef K. ist für die Art von Musik eines Philip Glass perfekt. Ich liebe Philip Glass und ich denke, dass das Stück viel junges und auch auswärtiges Publikum anziehen wird.

"Solch eine Zusammenarbeit ist doch unsere Stärke."

Ihre neue Schauspieldirektorin Cornelia Crombholz inszeniert auch eine Oper am Opernhaus. Hat sie nicht ausreichend zu tun in ihrem ersten Jahr am Schauspielhaus?
Ich habe sie schon ein bisschen überredet. Die Vorlage ist ja von Schiller, und Cornelia kennt sie gut. Deshalb hatte ich sie gefragt, ob sie nicht Lust zu dieser Inszenierung hätte. Und die hatte sie. Ihr Operndebüt gab sie übrigens in der Spielzeit 2011/12 mit Janaceks "Jenfa" hier am Opernhaus.

Crombholz´ Vorgänger Jan Jochymski hatte auch am Opernhaus inszeniert.
Ich finde das auch gut, solch eine Zusammenarbeit ist doch unsere Stärke, wir sind schließlich ein Mehrspartenhaus.

"Wagner 200 - Der fliegende Holländer für Kinder" war in der vergangenen Spielzeit als ein interaktives Projekt für Kinder überschrieben. Jetzt planen Sie mit "Nabucco" sogar eine Kinderoper.
Durch das Wagner-Projekt hatten wir 3000 Kinder hier. Das war eine erfreulich große Resonanz. Daran wollen wir unbedingt anknüpfen und haben uns für "Nabucco" in einer ebenfalls interaktiven, gekürzten Aufführungsform entschieden. Alle kennen diesen großen Chor. Ich bin überzeugt, dass es ein gutes Projekt ist, um junge Menschen für das Theater zu begeistern.