Magdeburg l Märchen, Mythen und Geschichten stehen unter dem Titel "Zeit - Geister" im Mittelpunkt der Erzähltheatertage, die vom kommenden Freitag an in der mongolischen Jurte auf dem Gelände des Puppentheaters zu erleben sind. Marianne Fritz und ihre Gäste brauchen dazu nichts als das wärmende Feuer in der Mitte des Zeltes sowie ein geschichtenhungriges Publikum.

Das gibt es auf jeden Fall, denn die uralte Kunst des freien Erzählens ohne Buch und Manuskript erlebt derzeit eine Renaissance in ganz Europa. Marianne Fritz glaubt, dass das wachsende Bedürfnis nach Einfachheit der zunehmenden medialen Überflutung geschuldet ist. "Das merkt man an den Kindern, die zehn Minuten brauchen, um sich darauf einzulassen, dass da jetzt nichts weiter ist als ein Mensch, der eine Geschichte erzählt. Wenn sie das angenommen haben, entsteht eine große Innigkeit." Die Jurte befördert dieses Innehalten. Für eine kurze Zeit kommt eine Gemeinschaft zustande, die im Alltag nie entstehen würde. "Am besten ist es, wenn die Leute anschließend selbst anfangen zu erzählen."

In diesem Jahr möchte Marianne Fritz genau das ausprobieren. In dem Projekt "Die Straße der Friseure" gibt es vorbereitete Interviews und Geschichten rund um den Friseur, dessen Salon oftmals selbst ein Umschlagplatz für Geschichten ist. Es geht um Lebensrituale - wann und aus welchem Anlass werden Frisur oder Haarfarbe gewechselt, welches Zeitgefühl verbindet sich mit Friseurbesuchen? Fritz hofft auf einen regen Austausch, möchte aber auch nach den anderen Vorstellungen mutigen Zuschauern ermöglichen, sich selbst im Geschichtenerzählen auszuprobieren.

Unter den 17 Vorstellungen gibt es allein acht Premieren für alle Altersstufen, ab 6, ab 8 Jahren sowie für Jugendliche und Erwachsene. Während die Kinder sich auf Märchen wie "Der Geist im Glas" und die ebenfalls haarige Geschichte "Rapunzel" freuen können, gibt´s für die Großen sowohl einen Abend für Frauen zum Thema Göttinnen, Mütter und Töchter, als auch für Männer mit saftig-sinnlichen Geschichten aus Giambattista Basiles "Pentamerone".

Zusammen mit dem Dramaturgen Tim Sandweg entwickelte Marianne Fritz die Collage "Herakles 1914 oder Ruhe sanft im Trommelfeuer", bei der Texte aus Erich Maria Remarques "Im Westen nichts Neues", der Mythos des antiken Halbgottes Herakles sowie biografisches Material mitein-ander verschränkt werden. "Wir interessierten uns vor allem dafür, ob und wenn ja auf welche Weise mythische Stoffe, die zum humanistischen Bildungskanon gehörten, für junge Menschen, die damals in den Krieg ziehen mussten, eine Rolle gespielt haben."

Erstmals in diesem Jahr arbeitet Marianne Fritz mit Gästen, darunter Uta Lindner vom Theater o.N. Berlin sowie mit Dorothea Nennewitz, einer jungen Absolventin des Studiengangs Storytelling/Künstlerisches Erzählen an der Berliner Hochschule der Künste.

Tickets sind über das Magdeburger Puppentheater erhältlich.

Informationen unter www.marianne-fritz.de