Das Geschäftsmodell
Das Geschäftsmodell des Online-Videodienstes Netflix basiert darauf, seine Kunden außerordentlich gut zu kennen. Ausgewertet wird unter anderem, welche Serien und Filme ein Nutzer mag, ob er von manchen mehrere Folgen am Stück schaut - und bei anderen vielleicht sofort aussteigt.

Auf Basis solcher Informationen bekommt jeder Kunde personalisierte Empfehlungen. Zugleich richtet sich Netflix daran beim Einkauf neuer Inhalte.
"Zum Start in Deutschland ist es noch unsere Vermutung, was die Menschen mögen könnten", sagt Programmchef Ted Sarandos. "Mit der Zeit werden wir es wissen und unser Angebot danach ausrichten."
Netflix startete 1997 als eine Versand-Videothek. Zwei Jahre später fing die Firma an, einen Empfehlungs-Algorithmus zu entwickeln. Grund waren Verluste: Die Nutzer wollten immer nur die neusten Filme sehen, die dann nach wenigen Wochen in den Regalen verstaubten. Mit den Empfehlungen sei dann die Wende gelungen.

Berlin (dpa) l Der US-Videodienst Netflix will den deutschen TV-Markt aufmischen. Er wolle in fünf bis sieben Jahren Kunden in jedem dritten deutschen Haushalt haben, sagte Gründer und Chef Reed Hastings der dpa zum Deutschland-Start am Dienstag. Netflix bietet einen Videostreaming-Dienst an, bei dem Filme und Serien für eine monatliche Abo-Gebühr direkt aus dem Internet abgespielt werden.

In den USA ist Netflix der Platzhirsch in diesem Geschäft. In Deutschland trifft die kalifornische Firma auf mehrere etablierte Rivalen. Der Anbieter Maxdome aus dem TV-Konzern ProSiebenSat.1 gilt als die Nummer eins mit rund 44 Prozent Marktanteil.

Netflix will unter anderem mit exklusiven Inhalten dagegenhalten: So gibt es erstmals in Deutschland die vom Unternehmen selbst produzierte Serie "Orange is the New Black" über das Schicksal einer New Yorker Managerin in einem US-Frauengefängnis zu sehen. Außerdem zeigt Netflix hierzulande erstmals Serien wie "Fargo" und "Sons of Anarchy".

Ansonsten hat Netflix zum Start auch viele Serien und Filme im Programm, die es auch bei anderen Anbietern zu sehen gibt. Die Kinofilme sind zudem wie bei der Konkurrenz zumeist mehrere Jahre alt. Netflix setzt auf eine gestaffelte Preisstruktur. Für 7,99 Euro im Monat kann der Dienst auf einem Gerät in Standard-Auflösung genutzt werden. Für 8,99 Euro bekommt man Zugriff von zwei Geräten gleichzeitig sowie Inhalte in HD-Auflösung. In der teuersten Variante für 11,99 Euro kann der Dienst von vier Geräten abgerufen werden, und der Kunde bekommt auch Sendungen in der aktuell besten Bildqualität Ultra-HD. Dafür ist allerdings ein entsprechendes TV-Gerät nötig. Zum Start gibt es einen Probemonat gratis. Das Programm sieht man allerdings erst nach der Anmeldung.

Andere Anbieter in Deutschland hatten sich in den vergangenen Wochen mit Preissenkungen und dem Ausbau ihres Angebots auf den Netflix-Start vorbereitet. So senkte der Bezahlsender Sky den Preis seines Streaming-Dienstes Snap auf 3,99 Euro. Zudem verlängerte Sky den bestehenden Exklusivvertrag mit dem amerikanischen Pay-TV-Kanal HBO bis zum Ende des Jahrzehnts. Amazon bietet den Kunden seines Premium-Angebotes Prime ein Jahr Video-Streaming mit einer Auswahl von Filmen und Serien für 49 Euro und eroberte damit nach einigen Schätzungen über ein Viertel des Marktes.

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