Magdeburg l Mit Wladimir Putin und der Krim beginnt eine kritische Reise durch die Deutschland- und Weltpolitik. Wie mit einem Spiegel führen die Kabarettisten die "Aufregerthemen" mit ihrem speziellen Blickwinkel dem Publikum vor Augen. Das stellt erschrocken fest, dass man sich die Aufregung ruhig hätte sparen können, denn es ist nichts für die Zukunft Erstrebenswertes geschehen.

Wer hinter diesem Versuch der Titel-Interpretation einen Hauch von Fatalismus zu erkennen glaubt, hat vermutlich Recht. Sich dennoch köstlich zu amüsieren - Marion Bach und Hans-Günther Pölitz beweisen, dass beides möglich ist.

Regionale Polit-Satire kommt nicht vor

Wofür Katharina die Große in Zerbst ein Denkmal erhielt - die Krim nach Rußland zu holen -, handelt sich der kleine Zar der Neuzeit die Schelte der westlichen Welt ein. So unterschiedlich ist eben der Blick in die Geschichte. Da kann nur Marion Bach mit dem köstlichen Couplet "Warum liebt der Wladimir grade mir, grade mir" die richtige Antwort geben und setzt gleich zu Beginn des Abends den Höhepunkt dieses Programms. Dieses Altberliner Lied, von Hans May geschrieben und durch Claire Waldoff 1931 weltberühmt gemacht, baut mit der Putin-Interpretation die Brücke zwischen unseliger Vergangenheit, dem Fehlen jeglicher Lehren daraus für die Gegenwart und damit einer besser ersparten Zukunft.

Regisseurin Regina Pölitz ordnet die inhaltlich und darstellerisch sehr unterschiedlichen Themen- und Darstellungsweisen der Nummern geschickt zu einem roten Faden, der sich um die ganze Welt spannt, ohne auch nur einen Fettnapf auszulassen.

Regionale Polit-Satire kommt praktisch nicht vor. Das kann damit zusammenhängen, dass der Gestaltungswillen in der Magdeburger Machtzentrale so tief schlummert, dass ein Einfluss auf Gegenwart oder Zukunft nicht spürbar ist. Vielleicht wurde sie von den Autoren Olaf Kirmis, Rainer Otto, Robby Mörre, Marion Bach, Klaus Dannegger und Wolfgang Schaller aber auch nur schlichtweg vergessen, was wohl der geringste Schaden für das politisch-satirische Kabarett wäre.

In den Staatskanzleien riecht es nach Weihwasser

Was im Kleinen nicht passiert, ist dem Großen nicht fremd. So kehrt die Republik ganz still und leise zur kirchenstaatlichen Monarchie zurück. Längst sind nicht nur im Kanzleramt und im Präsidentenschloss die Thronsessel mit Rückkehrern aus der Diaspora von 40 Jahren DDR besetzt. Auch in zahlreichen anderen Bundesländern riecht es in den Staatskanzleien nach Weihwasser, wie Pölitz in einem herrlichen Wortgefecht mit seiner Partnerin Marion Bach nachweist. Diese wiederum zieht alle komödiantischen Register, um sich beim BND zu beklagen, dass man sie nicht abhöre, nur weil sie kein Handy besitze. "Ja, bin ich denn nicht wichtig, nur weil ich kein Handy habe?"

Mit dieser grotesken Umkehrung des Geschehens der Abhörpraxis in deutschen und anderen Geheimdienstzentralen gibt sie dieses Unrecht der Lächerlichkeit preis. Das tut die Kabarettistin auch der Bundeswehr an, wenn sie mit treuestem Gesicht verkündet: "Die Bundeswehr ist lieb. Die tut nichts."

Beim Pölitz-Lied von der "Mikrobe der menschlichen Dummheit" blitzt dann wieder der Hauch von Fatalismus auf, der gegenüber dem Vorgängerprogramm einen Teil der bösen Bissigkeit verdrängte. Doch wer die Zukunft noch nicht aufgegeben hat, der sollte sich das politisch-satirische Kabarett der "Zwickmühle" auf keinen Fall ersparen.

Nächste Vorstellungen: 19., 20., 22. bis 25. und 28. September.