Magdeburg l Die schwarz-rot-goldene Vuvuzela trötet sie ein, die ManniFestSpiele. "Festspieldirektor" Frank Hengstmann steht in Smoking, weißem Hemd und roter Krawatte auf der Bühne. Und castet und brieft sein Publikum. Zu einem "hochqualitativen Festspiel-Publikum" soll es werden, was so wichtig ist für das Gelingen der Veranstaltung.

So beginnt es, das neue Soloprogramm von und mit Frank Hengstmann, dem "Alten", wie es in der Beschreibung des Magdeburger Familienkabaretts liebevoll heißt. Mit dem Festspiel-Thema hat er sich einen Rahmen gesetzt, der vieles möglich macht. Was Hengstmann und seine beiden Regisseure und Söhne Tobias und Sebastian nutzen.

Zunächst also das Publikum. Ziemlich ausschweifend widmet er sich den "sozialreichen" und den "so zahlreichen" Gästen. Wie kamen sie an die Karten, wie haben sie aufzutreten, wie werden sie dem Künstler "gute Eltern"...

Immer wieder aber wird er auch am Telefon sein, der Herr Manni Fest mit seinen Einmischungen. Keine Chance dafür.

Die Festspiele beginnen. Was der ganze Abend bietet, wird hier noch einmal extra aufgerufen. Denn die erste Programmfacette ist das politisch-satirische Kabarett. Frank Hengstmann spielt zur Begeisterung seines Publikums auch in einfallsreichen Wortgebilden à la "GroKoDeal" mit den aktuellen "Reizthemen" zwischen Großer Koalition, Maut und Mindestlohn. Und Hengstmann wäre nicht Hengstmann, säße er nicht zwischendurch auch am Klavier oder griffe, wie im zweiten Teil, zum Akkordeon, bereichert mit hausgemachten Liedern das Programm.

Für einen besonders zart-berührenden Moment sorgt da sein "Liebeslied" für Magdeburg. Die Stadt, die sich als europäische Kulturhauptstadt 2025 beworben hat. Die aber eben 2014 schon die ManniFestSpiele braucht. Doch da ist der Abend schon in seinem zweiten Teil.

Goethe schlägt die Brücke zum Schauspiel und zum gewollten Schauspieler, der nun auf der Kabarettbühne steht. Und ein neues Buch geschrieben hat über "Ein- und Durchbrüche" und von der - so der Untertitel - "Rampensau, die auch nicht immer Schwein hat". Köstlich ist sie, die vorgetragene "Handschuh"-Episode aus dem autobiografischen, noch druckfrischen Werk. Die "Rampensau", anbei, findet mit diesem neuen Kabarettabend bestes Futter.

Auch nach der Pause, wenn noch einmal das Publikum auf die Probe gestellt wird. Denn, "wo wird es am meisten gefordert? Auf der Besuchertribüne im Landtag Sachsen-Anhalt". Wenn dann die Ministerriege "Stille Post" spielt ... Die Auflösung bieten die "ManniFestSpiele" am Breiten Weg.

Dort wird´s zu guter Letzt, so die Ankündigung, experimentell. Er kommt. Natürlich. Manni. Smoking und Krawatte weg, T-Shirt und Joggingjacke an. Auftrittsbeifall für die Hengstmann´sche Paradefigur. Das Magdeburger Original, das sich hier zunächst auch im festspielgerechten Sein probiert. Aber einer, der sein "janzes Leben jewartet" hat, kommt - zwischen Vorwendeleben und heutigem Hartz-IV-Alltag - schnell auf andere Themen. Schulden sind nur eines davon, die ganz persönlichen und die Staates. Dann ist da noch dieser Albtraum von der Magdeburger ManniFestSpiel-Halle ...

Ein Albtraum war diese Kabarett-Premiere sicher ein wenig für Frank Hengstmann, der mit angeschlagener Stimme die gut zwei Stunden zu meistern hatte. Das Publikum honorierte mit viel Beifall, wie er das tat, und diese facettenreich-kabarettistischen "ManniFestSpiele".