Ihr neues Album heißt "Silver Linings", auf Deutsch: Silberstreifen. Das klingt sehr positiv. Sind Sie Optimist?
Milow: Mich fasziniert das Konzept der Hoffnung. Sie ist eine sehr menschliche Art, mit Schwierigkeiten umzugehen. Das Album beschäftigt sich mit diesem Konzept. Sein Titel ist optimistischer als die Lieder, denn ich habe versucht, auf die verschiedenen Aspekte von Hoffnung zu sehen. Dass ich mich für "Silver Linings" entschieden habe, lag aber gar nicht vorrangig an den Liedern. Hauptgrund war, dass dieser Titel zusammenfasst, wie ich das Leben sehe und was meine Musik für andere Menschen sein kann.

Sie wissen, was es heißt, zu hoffen. Mit Ihrer Musik hatten Sie in den ersten Jahren kaum Erfolg.
Absolut. Bei Schwierigkeiten konzentrieren sich einige auf die negative Seite, andere auf das Positive, das daraus erwachsen kann. Ich versuche immer, die Hoffnung nicht zu verlieren - auch wenn das manchmal leichter gesagt als getan ist. Bei meiner Musik haben mir die Leute viele Jahre lang gesagt, ich solle mir lieber einen richtigen Job suchen. Aber ich war sehr stur. Meine Intuition sagte mir, ich könnte Erfolg haben. Glück gehörte aber selbstverständlich auch dazu.

Ohne Ihre Sturheit hätten Sie wohl nie ein Album in den Sound City Studios in Los Angeles einspielen können, wo schon Johnny Cash und Nirvana arbeiteten. Herrschte dort eine besondere Atmosphäre?
Ja, definitiv. Als ich meine Songs gespielt habe, fiel es mir sehr leicht, gut zu klingen. Aber dass ich dort überhaupt gelandet bin, war eher Zufall. Bei der Entscheidung haben mich mehr die Menschen interessiert, mit denen ich arbeiten würde, als die Räumlichkeiten. Schließlich wurden in solchen großen Studios auch schon viele schlechte Alben aufgenommen - nur redet man eben immer bloß über die guten. Aus diesem Grund habe ich auch versucht, mich von der Atmosphäre nicht ablenken zu lassen. Sonst hat man zwar eine gute Zeit, aber danach kein gutes Album.

"Das Publikum in Magdeburg wollte einfach nicht nach Hause gehen."

Wer im Radio "You and me" oder "Little in the middle" hört, hat es oft stundenlang im Kopf. Verraten Sie doch mal, wie man einen Ohrwurm schreibt.
Ich weiß es nicht. Wenn ich einen Song schreibe, fange ich immer mit Melodien an. Schon als kleines Kind habe ich Lieder mit tollen Melodien gemocht. Sie selbst zu schreiben, gelingt mir manchmal besser als anderen. Aber ich weiß nicht, wie ich es erklären soll. Ich nehme einfach meine Gitarre in die Hand oder setze mich ans Piano.

Entstehen die Melodien in Ihrem Kopf oder ergeben sie sich beim Spielen?
Beides ist möglich. Es ist schon passiert, dass ich eine Melodie im Kopf hatte, bevor ich mich an ein Instrument gesetzt habe. Aber meistens spiele ich einfach drauflos. Allerdings lässt sich nichts erzwingen. Manchmal spielst du stundenlang Gitarre, und nichts Gutes kommt dabei heraus. Das ist sehr seltsam. Aber ich will es eigentlich auch gar nicht verstehen.

In Deutschland sind derzeit viele Musiker mit deutschen Texten erfolgreich. Haben Sie mal überlegt, auf Niederländisch zu singen?
Bisher nicht. Aber mir gefällt die Entwicklung, dass Musiker in ihrer Muttersprache singen. Viele schreiben ihre Lieder in einer Sprache, in der sie sich nicht wohlfühlen. Ich selbst lebe in den USA, für mich ist Englisch keine Hürde mehr, um das zu sagen, was ich möchte. Aber viele, die Englisch singen, sprechen es nicht einmal. Allerdings muss man bei Liedern in der Muttersprache auch etwas zu sagen haben. Ich habe bisher nur englische Songs geschrieben. Aber ich mag Herausforderungen. Eines Tages werde ich sicher einen Song auf Niederländisch aufnehmen. Nur dann muss es ein unglaublich guter sein.

Damit könnten Sie zur Erhaltung Ihrer Muttersprache beitragen.
Das stimmt. Aber ich weiß, dass ich mich darum nicht sorgen muss, weil andere die Sprache bewahren. Ein Produzent, mit dem ich schon oft zusammengearbeitet habe, bringt Ende des Jahres vier oder fünf große Alben in Niederländisch heraus. Er bewahrt diese wundervolle Musik in meiner Muttersprache.

Im Herbst kommen Sie mit Ihrer Musik nach Magdeburg. In einem Radiointerview haben Sie mal erzählt, dass Sie hier schon ein besonderes Erlebnis hatten.
Vor etwa vier Jahren haben wir in Magdeburg ein Konzert gespielt. Am Ende der Show, nach der Zugabe, hatte das Publikum aber noch nicht genug. Die Leute haben immer wieder "Zugabe" gerufen, sie wollten einfach nicht nach Hause gehen. Das hat mich ziemlich überrascht. Ich wusste irgendwann nicht mehr, welchen Song ich noch spielen sollte. Es war eine witzige Situation und ein wirklich großartiger Abend. Deshalb freue ich mich darauf, zurück nach Magdeburg zu kommen.