Dessau-Roßlau l Richard Wagners "Die Walküre" als erste Premiere der Spielzeit 2014/15 steht für Konsequenz und Kontinuität. Das Anhaltische Theater Dessau ist auf einem guten Weg, das im Mai 2012 in Angriff genommene Projekt "Der Ring des Nibelungen - in der bauhausstadt dessau" planmäßig zu Ende zu bringen.

Dass 2014/15 auch das "Dessau-Ende" des "Ring"-Regisseurs und Generalintendanten André Bücker sein wird, war zu Beginn nicht absehbar, hat wohl mehr politische, denn künstlerische Gründe. Es war seine Idee, die Reihenfolge dieses "Rings" der des Librettos der Tetralogie folgen zu lassen. Danach wird "Rheingold" im Januar als letzter Teil Premiere haben, bevor es noch in dieser Spielzeit zwei komplette Aufführungen aller Teile gibt.

"Die Walküre" führt die Gesamtkonzeption mit Bezug zur klassischen Moderne fort. Klare geometrische Formen in Ebene und Raum prägen das Bühnenbild (Jan Steigert) - mit oft faszinierender Wandlungsfähigkeit. Die Bühne fordert schon die Fantasie der Zuschauer heraus, wenn etwa das berühmte Schwert in einem schillernd leuchtenden herabhängenden Kabelbaum steckt.

Die Kostüme hält Suse Tobisch im schlichten unschuldigen (?) Weiß bei Sieglinde und Siegmund oder extrem schrill bei den Walküren. Die vielfältigen Film- und live aufgenommenen Video-Einspielungen (Kruno Vrbat) auf übergroße Projektionsflächen lassen das Publikum die Protagonisten faszinierend "hautnah" erleben.

Das Publikum begleitete auch in der zweiten Vorstellung am Sonntag diese Inszenierung mit sehr viel anerkennendem Beifall. Ganz pur waren Handlung und Wagner`sche Musik. Die Anhaltische Philharmonie unter der Leitung von GMD Antony Hermus bewährte sich erneut als fabelhaftes facettenreiches Wagner-Orchester. Mit ebensolcher Brillanz agierten die Gesangssolisten, sowohl stimmlich, jedoch auch darstellerisch. Die drei Frauenhauptrollen wurden von Angelina Ruzzafante (Sieglinde), Rita Kapfhammer (Fricka) und Iordanka Derilova (Walküre Brünnhilde) gefühls- und aktionsreich repräsentiert. Insbesondere Ulf Paulsen (Wotan) und Robert Künzli (Siegmund) gestalteten ihre Befindlichkeiten nachvollziehbar. Mit tönender Bassstimme agierte Stephan Klemm als Hunding. Weitere acht gut aufgelegte Sängerinnen bildeten das recht muntere Völkchen der restlichen Walküren.

Die nächste Aufführung "Die Walküre" ist am 18. Oktober.