Magdeburg l Das Kurt-Weill-Fest schlägt mit seiner 23. Auflage eine Brücke in die Landeshauptstadt. Erstmals beteiligt sich das Theater Magdeburg mit zwei Konzerten am renommierten Dessauer Fest. "Wir wollen das Programm einem größeren Publikum zugänglich machen", sagte Fest-Intendant Michael Kaufmann gestern bei der Pressekonferenz im MDR-Landesfunkhaus Magdeburg. Auch das Funkhaus wird im kommenden Jahr zur Spielstätte werden.

Fast 60 Konzerte und ein umfangreiches Rahmenprogramm werden vom 27. Februar bis 15. März 2015 zu erleben sein. Das Fest steht unter dem Motto "Vom Lied zum Song" und soll nach der Beleuchtung von Lebens- und Arbeitsstationen des 1900 in Dessau geborenen und 1950 in New York gestorbenen Komponisten wieder stärker inhaltliche Aspekte in den Fokus rücken. Artist-in-Residence ist die deutsche Schauspielerin Cornelia Froboess.

Für den neuen Spielort Magdeburg kündigte Theater-Generalintendantin Karen Stone ein Weill-Wochenende mit zwei sehr verschiedenen Konzerten an: Die international gefeierte Weill-Interpretin Ute Lemper wird mit "Letzter Tango in Berlin" (7. März) ebenso zu erleben sein wie ein eigens für das Festival produziertes Galakonzert mit der Magdeburgischen Phiharmonie und Gesangssolisten des Theaters (8. März). James Holmes, Weill-Spezialist und langjähriger Begleiter des Festivals, übernimmt die musikalische Leitung des Galakonzertes. Das dritte Gastspiel des Festivals wird Cornelia Froboess geben, die, so Kaufmann, unbedingt Geschichten von Frau Wernicke machen will. Frau Wernicke war fiktive Hausfrau aus Berlin, die die Vorgänge in Nazideutschland kommentierte. Termin: 6. März, Landesfunkhaus.

Weill und Magdeburg? "Wir haben ein Weill-Opernhaus", sagte Stone und verwies auf 1933, als hier erstmals "Der Silbersee", eine Kooperation mit den Theatern in Leipzig und Erfurt, gezeigt wurde. Bereits 1928 habe Magdeburg von sich reden gemacht, als kurz nach der Leipziger Uraufführung Weills komische Oper "Der Zar lässt sich fotografieren" auf dem Spielplan stand.

Ein klein wenig liest sich die Historie des Theaters so, als hätte man dem benachbarten Haus den Weill ausspannen wollen.

Und heute? Von "ausspannen" redete keiner, auch nicht von abwandern aus Dessau. Stone sprach von Bereicherung für das Publikum, Kaufmann von einem noch attraktiveren Fest. Er betonte mehrmals, dass die Idee der Ausweitung in die Fläche vom Land gekommen sei. Das Festival schränke sich in Dessau nicht ein. Ute Lemper gibt`s auch dort, ebenso Cornelia Froboess. In Dessau aber wurde bereits Kritik laut. Das Verhältnis zum dortigen Anhaltischen Theater gilt als angespannt.

Stone und Kaufmann lächelten sich gestern an. Sie kennen sich seit langem, betonten beide. Nach einmaliger Zusammenarbeit hörten sich ihre Statements nicht an. Kaufmann: "Wir werden Dinge sicher weiter miteinander entwickeln."

 

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