Frankfurt/Main (dpa) l Krieg, Diktatur und Hässlichkeit: Bei den diesjährigen Siegern des deutschen Jugendliteraturpreises geht es nicht gerade um heile Welt. Aber auch Kinder, die keine so schlimmen Erfahrungen machen müssen, können von solchen Geschichten profitieren. Dies glauben Autoren und Illustratoren, wie bei einer Podiumsdiskussion auf der Buchmesse klar wurde.

Zuvor hatte am Freitagabend Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) die mit insgesamt 62000 Euro dotierten Jugendliteraturpreise überreicht. Als bestes Bilderbuch wurde dabei "Akim rennt" von Claude K. Dubois ausgezeichnet. Die anderen Bücher der Belgierin erzählen der Moderatorin zufolge "mit viel Zärtlichkeit Humor aus dem Kleinkindalltag". Ihr neues Bilderbuch sei gar nicht so anders, erklärt Dubois: "Ich empfinde viel Zärtlichkeit für die Schwierigkeiten, die Kinder haben."

Akim muss aus seinem Dorf fliehen, wird von seinen Eltern getrennt, gerät in Gefangenschaft, lebt in einem Flüchtlingslager. Ja, es gehe um Krieg, Vertreibung und den Verlust der Eltern, aber darüber hinaus um Gefühle wie Angst oder Verlassensein, die Kinder in verschiedensten Situationen erlebten. Dass ihr Bilderbuch junge Leser emotional überfordert, glaubt sie nicht: "Das Thema ist in den Kindern, weil sie Angst haben."

Dubois hat den Text geschrieben und auch selbst illustriert. Die Schwarz-Weiß-Bilder begleiten nicht die Handlung, sondern führen sie direkt fort. Sie habe es als großes Kompliment empfunden, berichtet die Künstlerin, als ein Junge nach einer Lesung gesagt habe, er möge diese Art der - skizzenhaften, gehetzt wirkenden - Zeichnung: "Das ist das echte Leben."

In der Sparte Jugendbuch ging der erste Preis an Inés Garlands "Wie ein unsichtbares Band", eine Geschichte aus Argentinien in der Zeit der Militärdiktatur. Hauptpersonen sind die behütete Tochter einer wohlhabenden Familie und die Nachbarskinder im Feriendomizil. Als die ungleichen Freunde älter werden, schwindet ihre Verbundenheit - verstärkt durch Terrorakte und eine Naturkatastrophe.

Auch in dieser Geschichte ist Diktatur nur die Folie, aber nicht das Thema. Die Erfahrungen, die die Kinder machten - zerbrechende Freundschaft, erste Liebe, Entfremdung von den Eltern - seien universell, so die Autorin. Selbst die Erfahrung der Diktatur können verschiedene Formen annehmen: "Es geht darum, wie sich Gewalt auf das Individuum auswirkt."

Der Preis der Jugendjury ging an "Wunder" von Raquel J. Palacio. Erzählt wird von dem zehnjährigen August, der aufgrund eines Genfehlers entstellt ist.