Magdeburg l Doch keine Angst, in jedem Ende steckt ein neuer Anfang. Egal, ob die Erde nun kugelig ist oder eine Scheibe hat, man landet immer wieder am Ausgangspunkt. Dieser ewige Kreislauf menschlicher Verrücktheiten, ob weit in der Vergangenheit oder ganz gegenwärtig: "Wo nicht Wahrheit, sondern Glaube zählt", kann man angesichts der Hilflosigkeit depressiv werden.

Davon erzählt der "Depri"-Song der drei Kabarettisten Sabine Münz, Lars Johansen und Ernst-Ulrich Kreschel, mit dem sie den Bogen durch Zeit und Raum spannen, um immer wieder zu dem Schluss zu kommen: "Ja, sind die denn verrückt? Die da drohen, diese Welt aus ihrer Bahn zu schießen."

Die Künstler sind jedoch mit jeder Menge politischer Satire gegen Depression geimpft, so dass sie fröhlich durch (fast) alle Niederungen des irdischen Daseins eilen, dabei singen und sogar über den kalifatischen Gottesstaat oder Ebola herzhaft lachen können. Manch einer zuckt da schon zusammen, aber die "Kugelblitze" wollen einschlagen, ignorieren Tabus, auch wenn es manchmal wehtut.

Wenn Lars Johansen als "Sponti" der 1968er Generation, der nicht nur in Berlin mit Kanonen auf Spätzle schießt, nach so vielen Jahren offenbart, dass alles, wogegen sie früher auf die Straße gegangen sind, sich heute von selbst erledigt, hat er die Lacher auf seiner Seite.

Betonkrebs? Wir waren schon immer gegen Autobahnen! Polizeiprügel, weil wir gegen den Bau neuer Startbahnen waren? Heute planen wir ganze Flughäfen, die nie fertig werden! Ein Tunnel unter Magdeburgs City? Da müssen wir "Spontis" gar nichts machen, das wird von alleine nichts.

Die Künstler jagen von einem Thema zum anderen, immer mit dem Finger in der Wunde der Dinge, die zu der Erkenntnis führen, dass der Versuch der Natur, ein vernunftbegabtes Wesen hervorzubringen, skeptisch betrachtet werden sollte.

Alle Register ihrer schauspielerischen Fähigkeiten zieht Sabine Münz als laszive Vertreterin des ältesten Gewerbes der Welt. Sie kann gar nicht darüber fertig werden, dass unter ihren Kunden immer mehr Veganer zu finden sind. Da heißt es dann "statt Fleischeslust nun Torfu-Kuscheln" und "Analphabeten" bekommt bei entsprechender Betonung eine völlig neue Bedeutung. Sie weiß sich auch gegen die Geheimdienste zu wehren, die alle das "Bettgeflüster" ihrer Kunden mithören wollen. Dank Social Media werden die Geheimdienste, "wenn alle alles wissen", arbeitslos.

Doch vorher werden sie sicher noch mal aufmerksam zuhören, wenn Sabine Münz und Lars Johansen unter der bewährten musikalischen Begleitung von Ernst-Ulrich Kreschel "Machen wir doch hier ein Kalifat" singen. Ob Islam oder Christentum, ob ungläubig oder unglaublich, die Kabarettisten lassen weder an Burkas noch an Soutanen auch nur ein gutes Haar.

Sie ermitteln, dass die Erde nun allmählich mit wirklich schweren Waffen zurückschlägt, die da beispielsweise Helene Fischer oder Oktoberfest heißen. Letzteres stellt sich "als in Dirndl gepresste Weißwürste" heraus.

"Das Verrückte ist das neue Normale" stöhnen die Künstler unter der Last der Schizophrenie des alltäglichen Lebens, um sogleich durch befreiendes Lachen sich und den Zuschauern Mut zu machen.

Das Verrückte ist die inhaltliche Klammer dieses neuen Programms der "Kugelblitze", wenngleich unter diesem Dach beinahe alles subsummiert werden kann, was täglich in den Zeitungen steht oder über die Fernsehschirme flimmert. Der Gefahr, sich in dieser unendlichen Vielfalt zu verlieren, sind die "Kugelblitze" nicht vollends entgangen. Aber so ist nun mal das Leben, in dem im späten Mittelalter die Erde ihre Scheibe verlor, die Menschen ihre aber bis heute behielten.