Dessau-Roßlau l Das Verhältnis des 1919 gegründeten Bauhauses zur Bildenden Kunst war ein widersprüchliches. Wolfgang Thöner, Leiter der Sammlung der Stiftung Bauhaus Dessau und neben Lutz Schöbe Kurator der aktuellen Ausstellung, beschreibt es so: "Einerseits waren dem ersten Direktor Walter Gropius die Anregungen der ,Problematiker unter den Malern`, wie er sie nannte, unentbehrlich. Andererseits wollten er und viele andere das Bauhaus als ,Hochschule für Gestaltung` entwickeln, die Gestalter für die Dinge des Alltags hervorbringen sollte."

Allerdings waren es vor allem bildende Künstler, die als Erste als Meister an das Bauhaus gerufen wurden, wie Paul Klee oder Wassily Kandinsky. Nicht nur sie, sondern auch die Schüler malten weiter.

"Die erste Schülergeneration war jene, aus der ab Mitte der 1920er Jahre selbst Lehrer am Bauhaus hervorgingen, wie zum Beispiel Josef Albers, Joost Schmidt oder Hinnerk Scheper. Zu ihrem Werk gab es bereits viele Ausstellungen", so Claudia Perren, Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau.

Die zweite jüngste Generation sei jedoch bisher weniger mit Ausstellungen bedacht worden. Zwar seien zahlreiche Arbeiten in den vergangenen Jahren schon gezeigt worden, "aber fast immer in einem anderen Kontext, nicht in einer nur der Bildenden Kunst gewidmeten Ausstellung".

Der Rolle der Bildenden Kunst widmet sich die aktuelle Schau. Nach ihrer ersten Station in Remscheid als Kooperationsprojekt der Stiftung Bauhaus Dessau und der Städtischen Galerie Remscheid ist "Bauhaus. Die Kunst der Schüler" im Dessauer Bauhaus-Gebäude jetzt in erweiterter Form zu sehen. Hier gibt es zusätzlich im ersten Ausstellungsraum zahlreiche Dokumente und Abbildungen, die sich mit der Rolle der Bildenden Kunst am Bauhaus beschäftigen. Außerdem werden alle Schüler mit Porträts und Kurzbiografien vorgestellt. Bisher war das dem Katalog vorbehalten. Und nicht zuletzt hat sich die Anzahl der präsentierten Werke erhöht, da die Stiftung im Nachgang der Remscheider Ausstellung von Nachfahren der Bauhausschüler weitere Arbeiten als Schenkungen oder Dauerleihgaben überlassen bekam. Auf 800 Quadratmetern ermöglicht die "sehr spannende Ausstellung" (Claudia Perren) damit nun den "Blick auf eine meist verborgene beziehungsweise nicht im Vordergrund stehende Seite des Bauhauses" (Wolfgang Thöner).

Das Bauhaus sei wesentlich von Malern mitbestimmt gewesen, habe sich aber bald nach seiner Gründung mit Kontroversen über den Stellenwert der Kunst konfrontiert gesehen, erklärt der Kurator. "Die Bildende Kunst war nicht Ausbildungsziel, ab 1927 gab es dann aber erfolgreiche Bestrebungen, auch Studierende wieder in Bildender Kunst zu unterrichten." Ende 1927 entstanden etwa die freien Malklassen von Kandinsky und Klee.

"Die am Bauhaus von 1919 bis 1933 geschaffenen Werke der Malerei, Grafik und Plastik können nicht unter einem Begriff von Bauhauskunst subsummiert werden", sagt Claudia Perren. Die stilistische Spannbreite reiche vom Spätexpressionismus über Abstraktion bis hin zu figürlichen und auch surrealistischen Arbeiten.

Nicht nur die Lehrer, auch die Schüler des Bauhauses haben weltweit ihre Spuren hinterlassen. Denen will die Ausstellung nachspüren. Die 159 teils bisher nicht gezeigten Werke von 63 bekannten und nicht so bekannten internationalen Künstlerinnen und Künstlern sind zwischen 1920 und 1996 entstanden. Die ersten von ganz jungen Menschen aus den 1920er Jahren, aber auch ein Werk des damals 83-jährigen Kurt Kranz von 1993. Bewusst werden jeweils Frühwerke der Künstler und Arbeiten aus jeweils späteren Lebensphasen zusammengestellt. Deutlich wird, so Wolfgang Thöner, "die Vielfalt des Schaffens der Bauhäusler".

Die Ausstellung ist bis zum 1. März 2015 montags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr zu sehen.

   

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