Magdeburg l Nur für vier Wochen, bis zum 23. November, ist im mittleren Tonnengewölbe "IN ORDER" als Teil von SinusTon, der 5. Magdeburger Tage der elektroakustischen Musik, zu erleben. Sie zeigt beispielhaft das Herangehen des 1960 geborenen Akteurs. Die Schau eröffnete im Kloster-Kunstmuseum am zurückliegenden Wochenende.

Acht Miniaturhäuser sind in einer Schlangenlinie aufgebaut. Kupferfarbene Schalltrichter sitzen gleichsam Schornsteinen auf den Dächern, wurden den Lautsprechern alter Grammofone nachempfunden. Die Zahl ergibt sich allein aus der Acht-Kanal-Komposition. In unterschiedlicher Tonhöhe und Geschwindigkeit ist die Stimme des Poetry Slamers MC Jabber zu hören.

Aus dem Sprechgesang, der Rhythmus und Geschwindigkeit ändert, entstand eine 20 Minuten lange Komposition. Dabei nennt es Henderson gar nicht so wichtig, dass der Inhalt der Sätze zu verstehen ist. Er setzt auf die Sprache als Melodie. Jeder Tonkanal erzeugt andere Vibrationen in den in den kleinen Gebäuden installierten Lautsprechern.

Schallwellen treiben Mechanismus an

Die Schallwellen treiben einen Mechanismus an, der die Trichter antreibt, sie kreisen lässt wie ein Radar, das auf der Suche nach bestimmten Frequenzen ist. Aus Worten macht Henderson Musik und Aktion, sieht das Gesamtobjekt eingebunden in eine Choreografie.

Für ihn ist Klangkunst inzwischen ein eigenes Genres, noch recht jung aber durch die Verschmelzung mit anderen Kunstrichtungen ein spannendes Metier. Vibration führt so zu Bildern, regt die Sinne auf ungewohnte Weise auf mehreren Ebenen an.

Projekte, die so entstehen, verlangen ein Stück Aufmerksamkeit, sind nichts für jemanden, dem in der Hektik des Alltags Zeit fehlt. Man muss sich einlassen, Lust auf das Erlebnis haben. Museen und Galerien öffnen sich zunehmend solchen Klanginstallationen. Aber auch der private Sammler entdeckt sie für sich.

Bislang erst einmal wurde Douglas Hendersons "Music for 100 Carpenters" öffentlich gezeigt. Nun eine Wiederholung in Magdeburg, die im Medienraum des Kunstmuseums bis zum 25. Januar kommenden Jahres zu sehen ist. 2009 entstand die Kombination aus Video- und Klanginstallation mithilfe eines Rockefeller Stipendiums für eine Brooklyner Galerie.

Aus der Vogelperspektive zeichnete dabei die Kamera ein Konzert ganz besonderer Art auf. In der Mitte des Raums sitzt das Publikum in einem quadratischen Areal. Rings herum agieren zehn Gruppen mit einem "Dirigenten", der mittels Stoppuhr seine Mannschaft leitet. Die Akteure sind symbolisch Bauarbeiter, die an Werkbänken nach einer vorgegebenen Partitur 30 Minuten lang mit ihren Hämmern kleine und große Nägel in Fichtenholz treiben.

Eingehen auf New Yorker Alltag

Alle 20 Sekunden ändern sich der Schlagrhythmus und die agierenden "Musikergruppen", es gibt kein monotones Hämmern mit einem undifferenzierbaren Klangbild. Mitten in der Aktion holen die Handwerker ihre Brotdosen heraus und verspeisen zur gleichen Zeit einen Apfel, ein kurzer Moment des Innehaltens.

Henderson geht mit dieser Performance auf ein alltägliches Ereignis in New York ein. Studenten verdienen sich dort einen Teil ihres Lebensunterhalts auf dem Bau, deren Job manchmal nicht länger als 14 Tage dauert.

Er selbst hat dies getan und wollte mit seiner Inszenierung so etwas wie eine Würdigung für diese Tradition schaffen. Das Bild wird von der Decke auf den Boden projiziert, kann begangen werden und eröffnet so eine höchst ungewohnte Perspektive.