12 Korrespondenzorte
21 Einrichtungen an 12 Orten beteiligen sich am Projekt "Am Vorabend der Reformation". Sonderausstellungen sind zu sehen in der Klosterkirche Groß Ammensleben, im Dom und Domschatz von Halberstadt, im Landeshauptarchiv Magdeburg, im Dom und Domschatz Quedlinburg, in der St. Martinikirche zu Stolberg/Harz und im Museum der Stadt Zerbst. Korrespondenzorte sind außerdem Lutherstadt Eisleben, Mansfeld, Merseburg, Prettin (Stadt Annaburg), Stendal und Werben.

Öffnungszeiten der Ausstellung im Kulturhistorischen Museum: Dienstag bis Freitag 10 bis 17 Uhr, Sonnabend und Sonntag 10 bis 18 Uhr.

Weitere Informationen: www.khm-magdeburg.de

Magdeburg l Sachsen-Anhalt nennt sich gern das Mutterland der Reformation. Hier wirkte Martin Luther, hier predigte er gegen den Ablasshandel. Hier, ganz konkret an der Schlosskirche zu Wittenberg, soll er 1517 seine 95 Thesen gegen den Ablassmissbrauch angeschlagen haben.

Luther werde heute wie ein Sprengmeister gesehen, der unsägliche Zustände aufgesprengt habe, sagt Hartmut Kühne. Der Berliner Wissenschaftler erforschte die Zeiten am Vorabend der Reformation. Er ist Kurator der neuen Schau im Kulturhistorischen Museum, die aufräumen will mit populären Irrtümern über jene Zeit. Es sei keine Krisenzeit voller klerikaler Missbräuche gewesen - eine heute weit verbreitet Meinung. Und Luthers Bibel als erste deutsche Bibelübersetzung nennt Kühne kurzum Humbug und präsentiert in der Schau unter anderem die Halberstädter Bibel, die drei Monate vor dem Erscheinen von Luthers Übersetzung des Neuen Testaments in Halberstadt gedruckt worden war.

In sieben Kapiteln und auf 500 Quadratmetern lässt die Ausstellung die Besucher zurückblicken in die Zeit um 1500, als die Frömmigkeit und der Reliquienkult zunahmen. Wallfahrten gab es zuhauf, und die Öffentlichkeit fand sich bei lithurgischen Inszenierungen zusammen. Dafür stehen kostbare Exponate wie beispielsweise die beiden Handschriften aus dem Zerbster Prozessionsspiel oder Bernhard von Breydenbachs Beschreibungen seiner Reise ins Heilige Land, einst ein echter Bestseller. Kühne nennt ihn Palästina-Baedeker, weil alles rund um die einstige Reise festgehalten wurde. Es ist die erste gedruckte illustrierte Reisebeschreibung. Städte, Tiere, Sprache, Typografie - alles wurde festgehalten.

Ein Drittel der Exponate nur in Magdeburg zu sehen

200 Leihgaben sind insgesamt zu sehen - von prachtvollen Goldschmiedearbeiten und farbenfrohen Tafelgemälden bis hin zu kunstvoll hergestellten Textilien und wichtigen Urkunden.

Die Ausstellung ist ein länderübergreifendes Projekt dreier Museen. Die Kooperation zwischen den Mühlhäuser Museen, dem Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig und dem Kulturhistorischen Museum habe erst das Forschungsprojekt zum Vorabend der Reformation ermöglicht, sagte Magdeburgs Museumschefin Gabriele Köster. Zwei Drittel der Exponate seien von Mühlhausen nach Leipzig und jetzt nach Magdeburg gewandert. Ein Drittel sei nur hier zu sehen wie Exponate aus dem Landeshauptarchiv und dem Halberstädter Domschatz. Aus Halberstadt kommt beispielsweise das sogenannte Marienmäntelchen, ein Tuch aus grüner Seide, das mit goldenen und silbernen Applikationen geschmückt ist.

Von der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel wurde ein handschriftlicher Bericht von Hans von Waltheym über dessen Pilgerreise im Jahr 1474 zur Verfügung gestellt, und der Holzschnitt der Entrückung der Hl. Maria Magdalena von Lucas Cranach d.Ä. aus dem Jahr 1506 ist eine Leihgabe der Stiftung Schloss Friedenstein.

Für das Magdeburger Museum sei die Ausstellung der Aufschlag zum Reformationsjubiläum, so Köster. Gezeigt wird die Schau bis zum 15. Februar 2015.

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