Magdeburg l Es ist schon ein gewaltiges Bild, als sich der schwarze Vorhang hebt wie bei einer dramatischen Theateraufführung. Plötzlich stehen sie alle nebeneinander in einer Reihe, die Recken von City, Karat und den Puhdys. Im Hintergrund zucken Lichtblitze, eine Videowand projiziert die Bandnamen. Drei Schlagzeuge donnern, drei Bässe wummern, drei Frontmänner singen Karats "Der blaue Planet" von 1982. "Tanzt unsere Welt mit sich selbst schon im Fieber? Liegt unser Glück nur im Spiel der Neutronen?", wird unter dem Eindruck des Kalten Krieges darin gefragt.

Die Massen sind aus dem Häuschen. Applaus, Applaus. Diese Bühnen-Vereinigung einstiger Konkurrenten hatte es bisher noch nicht gegeben. "Wir haben uns ein bisschen ineinander verliebt", gesteht Karat-Sänger Claudius Dreilich. Damit leitet er zwar zum Titel "Ich liebe jede Stunde" über, meint aber auch die sechsmonatige Vorbereitungszeit für die Tour, in der Mitglieder aller drei Bands zusammen probten. Zwar habe es immer mal "kleine alkoholbedingte Entgleisungen" gegeben, "wo am Ende aber immer Musik heraus kam".

Claudius ist mit seinen 44 Jahren der jüngste auf der Bühne. Die äußere und stimmliche Ähnlichkeit mit seinem 2004 verstorbenen Vater Herbert ist enorm. Als dem Karat-Frontmann am Ende des Liedes Toni Krahl von City mit der Mundharmonika beispringt, bebt die Halle.

Es wird nicht zum letzten Mal gewesen sein.

Karat beendet seinen Auftritt mit den legendären "Sieben Brücken". Dreilich braucht nur die erste Zeile anzusingen - den Rest erledigt das Arena-Volk.

Den Mauerfall musikalisch reflektiert

City beweisen Zeitgeist. Während die Videowand Mauer-Bilder zeigt, singt Toni Krahl "Heroes" von David Bowie, eine Geschichte zweier Liebender, die sich im Schatten der Berliner Mauer treffen. Dann noch das wunderbare "Sind so kleine Hände" von Bettina Wegner. City sind die Einzigen, die den Mauerfall musikalisch reflektieren. (Toni Krahl saß wegen einer Flugblattaktion gegen den Einmarsch der Warschauer Paktstaaten in die SSR drei Monate im Gefängnis.) Freilich ist Höhepunkt "Am Fenster", wofür Georgi Gogow - der Held vom Balkan, wie Krahl witzelt - zum gestenreichen Geigenvirtuosen aufsteigt.

Kurz vor 22 Uhr kommen die Puhdys. Es fällt auf, dass es lauter in der Halle wird. "Die Techniker mischen so, dass Vorbands zwar gut klingen, aber in der Lautstärke für den Hauptact noch Luft nach oben bleibt", sagt ein offensichtlich fachkundiger Besucher zu seinem Nachbarn. "Aha, also noch immer der alte Alleinvertretungsanspruch von denen", grinst der zurück. Danach wären Karat und City Vorbands?

Doch derlei Spitzfindigkeiten teilen die Massen nicht. Auch wenn Sänger "Quaster" Hertrampf dankbar scheint, als ihm die Leute im Saal die Höhen bei "Alt wie ein Baum" abnehmen und "Maschine" kurz mal der Text verlässt, hält es die Fans nicht mehr auf den Sitzen.

Fazit: Die Kooperation der Rocklegenden ist ein Superlativ, den es in der deutschen Rockgeschichte bislang noch nicht gab.

Vermutlich muss man dazu alt wie ein Baum werden ...

 

Bilder