Status Quo rocken Magdeburg. Vor ihrem Konzert am 20. November in der Stadthalle sprach Volksstimme-Redakteurin Elisa Sowieja mit Sänger Francis Rossi.

Volksstimme: Status Quo haben als Schülerband begonnen. Hätte Ihnen damals jemand gesagt, dass Sie 2014 immer noch auf Tour gehen, was hätten Sie geantwortet?

Francis Rossi: Ich hätte gesagt: Das ist absolut lächerlich! Als wir 1962 anfingen, waren wir alles andere als erfolgreich. Nach dem Hit "Pictures of Matchstick Men" haben wir dann schnell bemerkt, dass ein Hit noch keine Karriere ist. In dieser Zeit wurde John Lennon mit der Vermutung zitiert, der Erfolg der Beatles könnte drei bis fünf Jahre andauern. Mick Jagger meinte damals in einem Interview, die Rolling Stones könnten sich zumindest 18 Monate halten. Alle dachten, dass ihr Erfolg nicht von Dauer ist. Wir waren sehr überrascht, dass es anders kam.

Der Durchbruch gelang Ihnen erst Mitte der 70er. Wieso haben Sie nicht aufgegeben?

Ich hatte immer ein Ziel vor Augen. Außerdem haben mich meine Eltern unterstützt. Sie waren nicht wie andere Eltern, die sagen: "Du bist so gut, Schatz. Aber du hast keine großen Chancen." Außerdem war ich nie mit dem zufrieden, was ich erreicht habe - nicht einmal, als wir schon 30 Hits hatten.

Ihr Tourleben war früher sehr wild. Wie sieht es heute aus?

Mit den wilden Sachen, Alkohol und Koks, habe ich zumindest erst angefangen, als ich 30 war. Sonst hätte mich das wohl umgebracht. Heute ist das Tourleben viel vernünftiger. Aber ich denke, die ganze Musikbranche ist vernünftiger geworden. Sie wird immer mehr zu einem normalen Kundengeschäft. Das ist in gewisser Weise schade, aber es muss so sein. Andernfalls kann man nicht überleben, denn wir leben in einer kapitalistischen Gesellschaft.

Das klingt, als würden Sie das Tourleben von damals auch ein wenig vermissen.

Das vermisse ich nicht. Ich habe es nie so wild getrieben, wie die Leute dachten. Es gibt kein Rock´n´Roll-Leben. Es gibt nur dummes Verhalten. Das legen auch andere Menschen am Freitag- und Samstagabend an den Tag, und es ist generell inakzeptabel. Rock´n´Roll ist die Musik, das andere ist Mist.

Was tun Sie, um fit zu bleiben?

Ich habe seit zwölf Jahren einen Trainer. Zwar bin ich nicht mehr so fit wie vor fünf Jahren. Aber wenn ich zu Hause bin, treffen wir uns oft für 40 Minuten und schauen, was wir tun können - je nachdem, wie es mir geht. Ich habe mit meinem Trainer auch gerade darüber gesprochen, dass ich mit Yoga anfangen sollte. Denn mit zunehmendem Alter wird man steifer. Dann beginnst du, dich nicht mehr zu bewegen. Das ist das Schlimmste, was du tun kannst.

Dann könnten Sie bald nicht mehr auf der Bühne stehen.

Genau. Vielleicht haben wir auch aus diesem Grund das Akustikalbum gemacht, denn so können wir auf der Bühne immer noch sitzen. Solche Auftritte wären auch eine Möglichkeit für die Zukunft.

Sie haben Ihren Bandnamen oft geändert. 1962 hießen Sie auch mal The Scorpions. Haben Sie mit den deutschen Scorpions je darüber geredet?

Ja, vor vielen Jahren haben wir sie bei einer deutschen Fernsehshow getroffen. Wir konnten uns aber schlecht verständigen, weil die Übersetzung problematisch war.

Mit einer anderen deutschen Band haben Sie einen Song gecovert: Scooter nahmen sich "Whatever you want" vor. Eine ziemlich verrückte Idee.

Die Idee war in der Tat verrückt. Das waren viele Ideen, die wir im Laufe der Jahre hatten. Aber wenn wir uns einmal für etwas entschieden haben, dann haben wir es bisher immer durchgezogen. Bei Scooter mochten wir den Sound, also haben wir zugesagt. Manche Leute meinten, es sei das Schlechteste, was wir je gemacht haben. Andere meinten, es wäre das Beste. Und manchen war es völlig egal.

Und was meinen Sie?

Mir ist es egal. Ich habe mir den Song einfach nicht mehr angehört, seit wir ihn aufgenommen haben. Manche analysieren ihre eigenen Aufnahmen immer und immer wieder. Ich mache das nie. Denn mir ist es egal, wie andere mich sehen.

Vor der jetzigen Tour haben Sie Konzerte mit den Gründungsmitgliedern Alan Lancaster und John Coghlan gegeben. Waren es die letzten?

Mir wäre es recht, wenn wir keine weiteren Konzerte in dieser Besetzung geben würden. Es ist deutlich geworden, dass sich die beiden Jungs, wenn sie noch viel länger zusammenbleiben würden, wieder überwerfen würden. Die Dinge, die in den 70er Jahren Spannungen verursacht haben, würden es auch heute tun. Das ist in den Persönlichkeiten begründet. Wir sind aber froh, dass wir diese Konzerte gegeben haben. Allerdings glaube ich auch, dass sie in Deutschland nicht so wichtig waren wie in England.

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