Magdeburg l Am Vorabend des Volkstrauertages hat der Magdeburger Kantatenchor gemeinsam mit den Prager Philharmonikern, den Solisten Stefanie Fels (Sopran) und Daniel Blumenschein (Bariton) sowie Kathedralmusiker Matthias Mück (Orgel) in der Pauluskirche der Kriegstoten und Gewaltopfer gedacht.

Es erklangen die Motette "Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen", die Sinfonie Nr. 3 in F-Dur (beide von Johannes Brahms) und die "Messe de Requiem" von Gabriel Fauré. Kirchenmusikdirektor Tobias Börngen gestaltete mit seinem Ensemble Passagen berührender Chromatik, polyphoner Dichte und Harmonie. Er betonte damit die Aktualität der immer währenden Fragen nach Leid und Erfüllung.

Durchdringend erfüllte das "Warum" die Kirche; weit steckte der Chor die Grenzen seines Dynamikbereiches und musizierte voller Spannung, mit gutem Textverständnis und immer nach sauberer Intonation strebend. Das Publikum konnte Angst, Sorgen und zweifelndes Klagen mit durchleben, bevor wieder Ruhe und Frieden einkehrten.

"Es ist lauter Liebe und das Herz geht einem dabei auf ...", schrieb Antonin Dvorák über Brahms` 3. Sinfonie. An diesem Abend war sie das Bindeglied zwischen Hiobs Verzweiflung hin zum Frieden der im Paradies weilenden Toten. Tobias Börngen ließ flüssig und durchsichtig musizieren, punktete bereits zu Beginn mit passablen Bläserakkorden. Im Verlauf entwickelte er eine differenzierte Dynamik, ließ den Klang anschwellen und sorgte im Anschluss für idyllische Ruhe.

Die Prager Philharmoniker entfalteten dabei einen fast übermütigen Enthusiasmus. Börngen zähmte die kraftvollen Momente und fand das Gespür für die lyrischen Passagen. So konnte sich auch die schöne dunkle Klangsprache entfalten. Während Faurés Messe de Requiem gelang dem Kantatenchor eine sphärischen Stimmung. Börngen verlieh der Aufführung mit seiner Gestaltung Lebendigkeit. Schön, wie der Spannungsbogen durchweg gehalten wurde. Glockenhell und sehr fein erklang der Sopran von Stefanie Fels, sehr kultiviert und wunderbar sang Barion Daniel Blumenscheid.

Der Chor wirkte sicher und dynamisch, originelle Farbtupfer kamen von der Orgel. Einfühlsam begleitete das Orchester, kleinere Unebenheiten zwischen Orchester und Orgel überhörte der Zuhörer gern. Mit der Schweigeminute bekundete er Freude über den gelungenen Abend und verneigte sich vor den Toten.