München (dpa) l Die frühere Bundesverfassungsgerichts-Präsidentin Jutta Limbach möchte die von den Nazis 1937 als "entartet" beschlagnahmten Kunstwerke an jene deutschen Museen zurückgeben lassen, denen sie vor knapp 80 Jahren genommen wurden. Das zugrundeliegende NS-Gesetz sei unwirksam. "Gerade Museen, die `entartete Kunst` gekauft haben, waren doch in der Lage, das zu beurteilen", sagte Limbach der "Süddeutschen Zeitung". "Sie konnten diese Kunst schwerlich in der Hoffnung erwerben, diese ein für alle Mal behalten zu können."

Limbachs Vorschlag ist durchaus radikal. Würde er umgesetzt, könnte das einen großen Ringtausch unter den deutschen Museen und gravierende Umwälzungen in der deutschen Museumslandschaft zur Folge haben. In den vergangenen Jahrzehnten von den Museen aufgebaute Sammlungen könnten auseinandergerissen werden.

Der Direktor des Wuppertaler Von-der-Heydt-Museums, Gerhard Finckh, hält den Vorschlag daher für "groben Unfug", wie er der Nachrichtenagentur dpa sagte. Außerdem werde auch ein "riesiger Aufwand an Recherche" notwendig. Am Ende wären manche Museen nach den Worten Finckhs ganz "ausgeblutet", zumal ausländische Museen "nicht im Traum daran dächten, ihre in Deutschland mitgenommenen Kunstwerke zurückzugeben".

Der Direktor des Sprengel Museums in Hannover, Reinhard Spieler, sieht noch ein anderes Problem bei Limbachs Vorschlag: "Die Verwerfungen der NS-Geschichte werden gerade an den Provenienzen sichtbar. Soll es wirklich ein Ziel sein, diese Geschichte unsichtbar zu machen?"