Magdeburg l Die Jazzreihe "Kunst und Kultur Karstadt" bewegte sich am Freitag an der Grenze des Jazz. Der "Tostedt Community Gospel Choir" unter Leitung von Pianistin und Leadstimme Bettina von Bracken und Dirigent und Leadsänger Christopher Asafo-Agyei trat auf die vergleichsweise kleine Bühne des Karstadt-Restaurants.

Der Chor stammt aus dem niedersächsischen nahe bei Hamburg liegenden Tostedt. In roten Roben tanzen, singen, klatschen, spielen die 24 Sänger und die Band zu modernen und klassischen Gospelsongs. Ob es an dem Wetter, dem krankheitsbedingten Fehlen eines Viertels der Sänger oder dem Genre Gospel liegt, kann ich nicht beurteilen, aber mein Eindruck ist folgender: Irgendwas stimmt hier nicht.

Nicht über die religiöse Hingabe urteilen

Das klischeehafte einer völlig von der Geistlichkeit hingegebenen afroamerikanischen Baptistengemeinde choreografierte Schunkeln und Klatschen wirkt bei einem Chor deutscher Laien gespielt. Nun steht es dem Irdischen nicht zu, über die religiöse Hingabe der vorrangig weiblichen Sänger zu urteilen, aber befremdlich bleibt der Eindruck dennoch.

Doch dann singt der Chor "Please swallow your pride" (dt. "Bitte schlucke deinen Stolz herunter"). Das gilt vor allem dort, wo er einen zwingt, sich nicht der Musik zu öffnen, nicht die sing-along-Angebote anzunehmen und stur auf seinem Stuhl zu kleben, und es gilt für mich.

So funktioniert der Gospel nicht. Wenn schon nicht die religiöse Hingabe, so wirkt doch die Hingabe zur Musik und die ist echt. Ja, das sind Laien. Ja, das könntest du auch. Man wird nicht lange suchen und einen Gospel-Chor in der Nähe finden, dem man sich anschließen kann, denn Musik ist universell, Hallelujah.