Jenny Langner wurde 1988 in Blankenburg im Harz geboren und ist in Quedlinburg aufgewachsen.

Nach dem Abitur absolvierte sie von 2008 bis 2012 eine Ausbildung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart.

Von 2012 bis 2014 hatte sie ein Engagement am Anhaltischen Theater Dessau.

Seit dieser Spielzeit ist sie am Theater Magdeburg.

Man behauptet, viele junge Menschen, die Schauspieler werden wollen, zieht es weniger zum Theater als zu Film und Fernsehen. Wie ist das bei Ihnen?
Jenny Langner: Mein Ziel war, erst mal spielen. In welcher Form, da war ich nicht festgelegt. Dann bin ich ins erste Engagement gegangen und ich merkte, die Bühne ist das, was mir den Boden unter den Füßen gibt. Ich würde den Film nicht ausschließen, aber ich möchte das Theater niemals missen.

Sehen Sie als junge Schauspielerin denn tatsächlich eine Perspektive für Theater als Kunstform? Für viele Menschen ist es ja schon heute verzichtbar.
Ich bin mir nicht sicher, ob die Organisation als Stadttheater in 50 Jahren noch existiert, doch es gibt ja auch andere Formen. Ich glaube aber schon, dass Theater weiter besteht, weil es ein Erlebnis ist, wo man miteinander in einem Raum etwas spürbar macht. Menschen übertragen Schwingungen aufeinander; weil etwas jetzt, in diesem einmaligen Moment passiert. Das geht nur im direkten Kontakt. Auch wenn man mit den Kollegen spielt. Das ist live. Da passiert ständig etwas Neues. Das macht für mich den Zauber aus.

Gretchen, Ophelia, Julia galten immer als Traumrollen. Ist das heute noch so?
Ich weiß, dass viele und auch ich, es als große Bereicherung empfinden, so eine Rolle spielen zu dürfen. Also, als ich auf dem Besetzungsplan las, dass ich die Julia spiele, dachte ich "Wow! Wahnsinn".

Was reizt Sie denn an der Julia? Was verbindet Sie mit dieser Figur?
Natürlich nicht die Tragödie. Aber die erste große Liebe - das verbindet mich natürlich mit ihr, das durchlebt jeder. Diese Gefühle, alles ist auf einmal anders. Man ist bereit Dinge zu tun, die man sich vorher nicht hätte vorstellen können. Da ist am Anfang ein wohlbehütetes, junges Mädchen, das sich furchtbar verknallt und dann wird es nur noch kompliziert. Sie muss in einem sehr kurzen Zeitraum ihren Weg finden und wird dadurch erwachsen. Sie trifft große Entscheidungen, ist auch ein bisschen ausgeliefert, aber ist nicht passiv. Diese Hingabe, ja wir heiraten, ja wir brennen durch!! Dieser Überschwang, das ist toll. Da kommt man auf etwas zurück, was man, was ich vielleicht vergessen habe. Sich darein zu begeben, ist wunderbar.

Gibt es auch Dinge oder Verhaltensweisen, die Ihnen die Julia fremd machen?
Nein, eigentlich nicht. (überlegt lange) Klar, diese Radikalität, dass sie sich dann auch tötet, das ist natürlich nichts, was ich mir so ohne Weiteres vorstellen könnte zu tun. Das muss ich mir im Probenprozess erarbeiten. Aber wenn ich die ganze Figur im Ablauf durchgehe, kommt es mir auch konsequent als der letzte Schritt vor, wenn man wirklich an diese einzige Liebe glaubt.

Wie muss man sich denn die Erarbeitung der Rolle vorstellen?
Erst mal viel lesen, oft lesen, laut lesen. Ich versuche den Text dann mit meinen eigenen Worten für mich noch einmal zu formulieren, um den Gedankengang zu verstehen und bei den Proben auch noch einmal körperlich über die Situation zu begreifen. Manchmal passiert es, dass sich bei der Arbeit mit dem Partner der Vorgang erst wirklich erschließt. Ich empfinde plötzlich, so könnte es gemeint sein! Wenn ich dann zu Hause alles noch einmal nacharbeite, bekommen die Geschehnisse so etwas wie Schattierungen, Färbungen. Was vorher nur schwarz war, wird auf einmal bunt. Hier sind Höhen, da sind Tiefen. Nach und nach ergibt sich eine Art Landkarte, ein Fahrplan, auch für Emotionalitäten. Wo sind die nächsten Stufen. Wie kann ich sie gehen. Wo sind Zusammenbrüche, wo fehlen mir vielleicht mal die Worte. Ausprobieren kann ich das nur körperlich auf der Bühne.