Künstlerisch und kulinarisch

Seit Juni 2009 gibt es das Theaterschiff Magdeburg. Dazu hat sich die Reederei Süßenbach ("MS Marco Polo") mit der Musik-Theatergruppe "Die Nachtschwärmer" zusammengetan.

Das "6. Theaterschiff - Weihnachtsspektakel" dreht sich um den frühen Wahnsinn beim Handel, Spekulatius im August und um das Reisen mit der Deutschen Bahn.

Kulinarisch: Serviert werden u.a. Geschmolzener Schneemann mit Grünkohl Kassler; Halbe entbeinte Ente mit Apfelrotkohl, klassische Kartoffelklöße sowie Gefrorener Schneemann am Feuer.

Magdeburg l Die Boote der Magdeburger "Weißen Flotte" liegen längst im Winterquartier und machen Pause. Auf dem Strom bleibt es trotzdem nicht ruhig. Auch der kalten Jahreszeit lassen sich an Bord eines Motorschiffs schöne Seiten abgewinnen.

Eine schwimmende Bühne hat sich etabliert, Kultur funktioniert eben mit pfiffigen Ideen und Herzblut an ungewöhnlichen Orten. Zum Jahresende gehört die gebratene Ente aus der Kombüse dazu.

Alle Jahre wieder ein Weihnachtsspektakel und kein Ende? Warum auch, die Themen gehen den Nachtschwärmern Ulrike Nocker, Matthias Krizek und Oliver Vogt nicht aus. Die Überhänge der Materialsammlung bestätigen das. Es fehlt keinesfalls an Texten und Liedern zur schönsten Zeit des Jahres, auf die ungeniert und souverän zurückgegriffen wird. Kritik und Besinnliches liegen stets beieinander.

So gerät die 2014er Auflage deutlich in die Nähe musikalischen Kabaretts, wenn es ein solches Genre überhaupt geben sollte. Es darf gelacht werden über Grunderfahrungen, die Jahr für Jahr ähnlich sind. Der frühe Wahnsinn im Handel, der Stolle und Naschwerk bereits im August in die Regale packt, gehört dazu. Ein Dauerbrenner ohnegleichen und zudem ein herausforderndes Thema.

Matthias Krizek legt sich dazu ins Zeug. Sein "Adventskalender im September", von Maybebop erfunden, lockt sängerisches und komödiantisches Talent gleichermaßen. Am Rand des Wahnsinns sinniert er über Marzipan und Spekulatius vier Monate vor dem Heiligen Abend und wird in seinem Ärger über den fehlenden Adventskalender schließlich samt gezücktem Hackebeilchen schließlich von der Schwester zurück in die Klinik gebracht.

Titel von Pe Werner haben es in diesem Jahr gleichwohl ein halbes Dutzend Mal ins Programm geschafft. Ulrike Nocker traf mit dieser Auswahl den Nagel auf den Kopf. Frisch und einfühlsam interpretiert sie beispielsweise die "Bahnhofsdrogerie", den Einkaufstempel für alle Fälle. Da machen Zuhören und Zuschauen einfach nur Freude. Ohne an den Leistungen der anderen Mitwirkenden zu rütteln, Nocker überzeugte auf ganzer Linie.

Reisen mit der Deutschen Bahn war die thematische Klammer des Abends. Pünktliche Züge, Fahrkartenkauf und Erfahrungen im ICE hatten Aktualität und Witz. Oliver Vogt versuchte sich im Erwerb eines preiswerten Tickets, erlebte dabei tolle Abenteuer und war vorwiegend der Erzähler im Programm und sorgte am Piano für die passende Musik.

Doch das Bahn-Konzept blieb irgendwann auf der Strecke, kein Beinbruch, aber auch nicht glücklich. Mit seiner Regie sorgte Knut Müller-Ehrecke für ein unterhaltsames Stück. Er forderte die Satire förmlich heraus, ließ den Akteuren die Chance, sie selbst zu bleiben und nicht eine Kopie der Originalinterpreten zu werden.