Magdeburg l Diese Geburtstagsfeier dauert zwei Stunden, ist voller Glamour, Farbe und Überraschungen. Und wie es sich für einen 70. Geburtstag gehört, wird jede Menge über einst gesprochen.

Auch Norbert Schramm erinnert sich. "Es fühlt sich noch an wie damals", sagt er, als er mit Kufen das Eis betritt. Seine Erfolgszeit liegt eine Weile zurück. 1982 und 1983 wurde er Europameister und holte Silber bei den Weltmeisterschaften. Auf der Leinwand ist er im Großbild zu sehen wie viele andere Eislaufgrößen, die zum Team von "Holiday on Ice" gehörten. Schramm lief in 1700 Shows mit. Jetzt mit 54 Jahren und einem vorbereitenden Fitnessprogramm ist er als Moderator in "Platinum" mit dabei. Zum Geburtstag plaudert er charmant mit dem Publikum und erinnert an die so erfolgreichen Revuejahre sowie an jene Damen und Herren, die Eislaufgeschichte geschrieben haben. Der Schweizerin Denise Biellmann, 1981 Welt- und Europameisterin, und ihrer bekannten Pirouette wird ein Solo-Tanz gewidmet. Fotografien von einst werden an die Wand projiziert.

Routierendes Rad und Athletik in der Luft

Die Hommage an die sieben Jahrzehnte Eisrevue wird zum Leitfaden der Show. Sie beginnt nostalgisch in einem großen Tanzsaal der 40er Jahre in Amerika, führt über das Pariser Leben und endet modern im Partyfieber und bei ausgelassenen Sambatänzen in Brasilien.

Neun Szenen führen durch die Geschichte und durch die Welt. Im schönen Ballsaal tanzt das Eislaufensemble einen Walzer. Die grazilen Damen in langen Kleidern, die Herren mit Frack und Fliege. Das Eis unter ihren Kufen schimmert golden. Von der Decke hängen große Kronleuchter.

Neue Lichteffekte, neue Stimmungen. Eine Kathe-drale im Hintergrund. Silber und wieder jede Menge Gold. Es funkelt und glitzert. Dieser Gospel-Gottesdienst ist voller Freude und Energie. Es wird getanzt, gesungen. "Halleluja" ruft Schramm ins Publikum. "Halleluja" kommt es von den Rängen zurück. Schramm, der Priester, strahlt.

Er schlüpft in mehrere Rollen. Dirigent, DJ, Rosenkavalier ist er auch. Der einstige Eislaufliebling, der gleich zu Beginn der Show sein Solo gelaufen ist, fügt sich immer wieder ein in das Ensemble, läuft mit, tanzt die Schrittfolgen. Gelernt ist gelernt.

Einzelauftritte, Paarlauf, Ensemble, mehrmals das beeindruckende routierende Rad.

Artistik gibt es unterhalb des Vulkans, der Feuer spuckt. Das Eis wirkt nicht mehr kalt, sondern rot und warm. Zwei Muskelpakete verhaken sich unterm Hallendach und werden mit Waage und Spagat in der Luft fast zu einem Körper. Große Artistik.

300 Kostüme und eine extravagante Modenschau

Bei all den Szenen gibt es keine Zeit zum Durchatmen. Nahtlos reiht sich Choreografie an Choreografie. Das Auge ist gefordert - auch der vielen ideenreichen Kostüme wegen. 300 sind es insgesamt, für sieben besonders extravagante Kleider wird das Eis zum Laufsteg. Star-Designer Harald Glööckler hat die Damen eingekleidet. Sie gleiten wie ausstaffierte Puppen übers Eis, die Kleider verdecken die Kufen. Modenschau zum Geburtstag.

Weiter geht`s mit dem Tanz auf dem Eis. Jeder Sprung wird mit Beifall honoriert, jede der vielen extravaganten Drehungen und Hebungen ebenso. In dieser Show geht es weniger um die in den Wettkämpfen so wichtigen Vielfachsprünge. "Holiday on Ice" setzt auf die Bewegung, die Schönheit des Eislaufens, die Ästhetik dieses Sports.

Diese Schönheit ist an diesem Abend immer wieder neu erlebbar. Sanft erscheint sie beim Liebes-Tanz unterm Eiffelturm, dann temperamentvoll im Finale. Mit Samba-Rhythmen und heißen Höschen endet die Party zum Geburtstag. So aufregend kann ein 70. Geburtstag sein.

Weitere Vorstellungen: Sonnabend 13, 16.30, 20 Uhr, Sonntag 13 und 16.30 Uhr.

   

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