Magdeburg l Einen bösen Zauberspiegel hatte einst niemand anderer als der Teufel selbst erschaffen. Alles Gute zeigte sich darin verzerrt und hässlich. Als der Spiegel zu Bruch ging, verteilten sich abertausende Splitter auf der Erde. Zwei davon trafen den kleinen Kai in Auge und Herz, und er schien verloren an die geheimnisvolle Schneekönigin.

Nicht jeder der kleinsten Zuschauer wird diesen Hintergrund, der von den vier Puppenspielern erklärt wird, verstehen. Aber wie bei jeder guten Inszenierung, die sowohl für kleine und große Zuschauer funktionieren soll, ist das auch gar nicht nötig. Dafür eröffnet sich auf der kleinen Bühne ein poetischer Kosmos, der einem vor Staunen den Mund offen stehen lässt. Ausstatterin Liudmila Skitovich hat mit halbtransparenten weißen Wänden eine wandelbare Spielfläche geschaffen, die mit Projektionen, farbigen durchleuchteten Kunststoffplatten und weißem filzartigen Stoff die unzähligen Schauplätze des teilweise rasanten Roadmovies entstehen lassen.

Wie dabei mittels einer simplen hellblauen Kunststoffplatte die anrührende Szene erzählt wird, in der Gerda ihre neuen roten Schuhe dem Fluss übergibt, um Informationen über ihren Freund zu erlangen, ist einfach großartig. Die von Skitovich liebevoll, durchweg in Weiß und Pastell gestalteten Puppen, haben teilweise groteske Formen und unterstützen die traumartige Reise der kleinen Gerda auf dem Weg in den hohen Norden.

Heutigen Kindern mangels einfach verglaster Fenster kaum noch zu vermitteln sind die Eisblumen an den Scheiben, die durch den Atemhauch der Schneekönigin erblühen. In Alexei Leliavskis Inszenierung schweben dafür merkwürdige kleine pummelige Eisengel (oder Kobolde?) vorm Fenster vorbei, die Schneekönigin erscheint als überdimensionaler Pappmaché-Kopf. Claudia Luise Bose, Gabriele Grauer, Richard Baborka und Lennart Morgenstern erzählen Gerdas Reise gewohnt virtuos in fliegendem Rollenwechsel und zum großen Vergnügen des Publikums.

Urkomisch die dicken Räuber - bestehend aus Daunenkissen mit überdimensionalen Händen und skurrilen Köpfen sowie das etwas sentimental gestimmte Rentier, das das wilde Räubermädchen davon überzeugt, dass man Freunde leider nicht anbinden kann.

Perfektioniert wird die poetische, spannende, aber auch sehr humorvolle Geschichte über das Erwachsenwerden und die Kraft der Freundschaft, durch die traumhaft schöne Musik von Leanid Paulionak.

Wer Karten für die 37 ausverkauften Vorstellungen ergattern konnte, kann sich auf eine wunderbare Einstimmung in die Weihnachtszeit freuen. Wer nicht, für den gibt es eine gute Nachricht: Das Puppentheater hat aufgrund der großen Nachfrage zwei zusätzliche Vorstellungstermine aufgenommen: 14. und 21. Dezember jeweils 16.30 Uhr.