Magdeburg l Eigentlich ist das Theaterhaus am Universitätsplatz dem Musiktheater vorbehalten, aber einmal im Jahr, nämlich zur Weihnachtszeit, gehört es dem Schauspiel und den Kindern aus der Landeshauptstadt und der Region. Eine große, mit Kerzen bestückte Tanne am Portal des Theaters empfängt die Besucher und verbreitet weihnachtliches Flair. Auf der großen Bühne erwartet die Mädchen und Jungen und ihre Eltern und Erzieher in diesem Jahr eines der bekanntesten Märchen der Gebrüder Grimm: "Schneeweißchen und Rosenrot".

Als der Vorhang sich öffnet, zeigt sich dahinter tatsächlich eine märchenhafte Welt. Entsprechend scheinen die Kostüme geradewegs der Mode eines Lieblingsbilderbuchs entsprungen. Und der Vogel Flatschi kann sogar fliegen. Die Ausstattung von Christiane Hercher gehört absolut zur Habenseite der Aufführung.

Erfreulich ist auch, dass den Zuschauern die Geschichte, freilich mit Veränderungen wie sie eine Bühnenfassung unabdingbar notwendig macht, so geboten wird, wie sie die Kinder aus dem Märchenbuch (hoffentlich) kennen.

Alexander Maruch, der die Bühnenfassung geschrieben hat, bleibt dicht an der grimmschen Vorlage. Er erfindet lediglich zwei Figuren, den Vogel und den König Schusselig dazu, die sich in den Ablauf der Handlung einfügen, ohne den Kern der Story zu beschädigen. Leider sind dem Autor die Dialoge über weite Strecken gar zu simpel und reduziert geraten. Ähnliches lässt sich über die Inszenierung sagen, die Maruch selbst besorgt hat. Sissi Noé (Schneeweißchen), Marie Ulbricht (Rosenrot) und Iris Albrecht (Mutter) agieren seltsam gekünstelt. Sie führen die Figuren eher vor, als dass sie sie ausformen. Realistische und wahrhaftige Töne sind Mangelware.

Zu frischer Direktheit findet lediglich Chiaretta Schörig als Vogel Flatschi, besonders wenn sie die Kinder anspricht, was insgesamt viel zu wenig geschieht. Oliver Chomik (auch Prinz Bernhardt) versieht den Bären mit einer Körpersprache, die ihm die volle Sympathie der kleinen Besucher garantiert. Warum aber Andreas Schulz (auch Zwerg Wurznknurz) den König zum Trottel und Raimund Widra den Prinzen, wenn auch gekonnt, zur Karikatur machen, bleibt das Geheimnis der Crew. Man muss schon viel Comedy gesehen haben, wenn man so einen zum Mann will. Natürlich lachen die jungen und auch die erwachsenen Zuschauer. Die Späße funktionieren. Poesie, Musik und Gesang fristen dagegen ein Aschenputtel-Dasein in dieser Inszenierung.

Aber die Kinder werden sich sicher dennoch ein schönes Märchenerlebnis im Kopf zusammenspielen. Sie versorgen sich ja täglich mit Geschichten.