Halle l Es geht um Otto Wacker, Han van Meegeren und Wolfgang Beltracchi. Doch auch wenn diese spektakulären Fälle im Zentrum stehen, beschränkt haben sich die Hallenser Ausstellungsmacher nicht auf sie. Vielmehr versammeln sie Fälschungen aus den Landeskriminalämtern München und Baden-Württemberg, der Polizeihistorischen Sammlung in Berlin, den Depots mehrerer europäischer Museen und aus Privatsammlungen. Schon die Zusammenstellung dieser sonst eher nicht öffentlich ausgestellten Objekte (es handelt sich ja um Fälschungen), ist einen Museumsbesuch wert.

Der Bogen, den die Ausstellung anhand dieser Objekte schlägt, reicht von frühen Fälschungen antiker Werke, über nachgemachtes Kunsthandwerk aus den Sammlungen der Moritzburg bis zu gezeichneten Geldscheinen und falschen Münzen, Zeichnungen und Gemälden. Er endet bei gefälschten Turnschuhen, Pullovern, Parfümflaschen, Luxustaschen. Denn - so die Botschaft - Fälschungen gehen uns alle an und niemand ist vor Täuschung gefeit.

Beispielhaft für eine enttarnte Fälschung mit noch unbekannter Herkunft zeigt das Museum den vermeintlich antiken Bronzekopf des sogenannten "Augustus Arete" aus einer Schweizer Privatsammlung und stellt dazu die naturwissenschaftlichen Untersuchungen vor, die zur Entlarvung der Fälschung führten. Das ist überaus spannend, auch wenn die Identität des "Spanischen Meisters", wie der oder die bisher unbekannten Handwerker genannt werden, damit nicht geklärt werden konnte.

Die Identität von Wolfgang Beltracchi war dagegen schneller klar. Er wurde unter anderem enttarnt, weil er moderne Farb-Pigmente verwendete. Solche Nachlässigkeiten leistete sich der niederländische Kunstfälscher Han van Meegeren, der bis 1945 in der Art von Jan Vermeer malte, nicht. Van Meegeren musste sogar noch im Gerichtssaal beweisen, dass die Vermeer-Bilder von ihm gemalt worden waren. Die schönste Geschichte, die sich im Zusammenhang mit van Meegeren erzählen lässt, ist aber die über den maßlosen verbrecherischen Sammeldrang Hermann Görings, der 167 Altmeistergemälde, die er aus der jüdischen Sammlung Goudstikker geraubt hatte, gegen einen Vermeer eintauschte. Denn einen Vermeer wollte Göring unbedingt besitzen, schließlich hatte auch Hitler einen - geraubt aus der Sammlung Czernin.

Hitlers Vermeer war echt, ebenso wie die Altmeistergemälde aus der Goudstikker-Sammlung, die Göring eintauschte. Allein Görings Vermeer "Christus und die Ehebrecherin" war nicht echt. Den hatte van Meegeren gemalt und an Göring verkauft, was dem Fälscher den Vorwurf des Verkaufs niederländischen Kulturguts an die Nazis einbrachte und zu seiner Selbstanzeige führte.

Vor ihrer Entdeckung aber bestätigten renommierte Experten die Bilder von van Meegreen, Beltracchi und Otto Wacker, der van Gogh fälschte, als Originale anerkannter Künstler. Das spricht zwar mehr gegen die Experten als für die Fälscher. Trotzdem wäre es allzu wohlfeil, im Nachhinein zu behaupten, die in Halle ausgestellten Fälschungen seien sofort als Fälschungen zu erkennen. Die Möglichkeit des direkten Vergleichs mit Originalen wäre ein großer Gewinn für die Ausstellung gewesen. Doch eine Kunstausstellung wollte das Museum nicht machen - aus Angst, den Fälschern ein Denkmal zu setzen.

Auch deshalb hängen die Fälschungen in kaltem weißen Neonlicht mit vielen erklärenden Wandtexten. Für eine Ausstellung sind das zwar viel zu viele Texte, doch weder die Textfülle noch der wenig elegante Titel "Original bis... Fälschungen zwischen Faszination und Betrug" sollten von einem Besuch dieser einmaligen und sehr spannenden Ausstellung abschrecken.

Halle, Kunstmuseum Moritzburg, bis 1. Februar 2015. Geröffnet ist Mo., Di., Fr. bis So. 10 - 18 Uhr, Do. 10 - 20 Uhr. Eintritt: 7 Euro, erm. 5. Katalog: 29,90 Euro.

   

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