Dresden (dpa) l Erklärungsversuche für etwas Unfassbares: Der Terror des Neonazi-Trios NSU hat erneut als Vorlage für das Theater gedient. Für die Uraufführung des Stückes "Mein deutsches deutsches Land" von Thomas Freyer spendete das Publikum im Kleinen Haus des Dresdner Staatsschauspiels am Donnerstagabend viel Beifall.

Der Autor erzählt auf drei Zeitebenen eine fiktive Geschichte, die dennoch sehr nah an der Realität bleibt. Florian, Dominik und Sarah spalten sich von der organisierten rechtsextremen Szene ab und leben als Zelle im Untergrund. Ihr Hass auf Fremde kulminiert in einer beispiellosen Mordserie, der mehr als ein Dutzend ausländische Studenten zum Opfer fallen. Polizei, Verfassungsschutz und Politik versagen komplett, nur einzelne Polizisten sind an der Wahrheit interessiert.

Regisseur Tilmann Köhler lässt seine sechs Akteure rund 30 Rollen spielen. Das mörderische Trio wird von Lea Ruckpaul, Jonas Friedrich Leonhardi und Kilian Land verkörpert, die im Schatten der häufig drehenden Bühne immer wieder schnell in andere Rollen schlüpfen müssen und vom Bühnenrand aus auch für eine authentische Geräuschkulisse zu sorgen haben. Im Mittelpunkt steht das Handeln der Ermittlungsbehörden, die aus einer Mischung von Unfähigkeit, Ignoranz und politischem Kalkül die Verbrechen vertuschen wollen. Die Selbstradikalisierung der Täter spielt dagegen eine untergeordnete Rolle.

In den vergangenen Monaten war der NSU, dem insgesamt zehn Morde zur Last gelegt werden, immer wieder von Theatern aufgegriffen worden. Meist wurde dafür ein dokumentarischer Ansatz gewählt.