Magdeburg l Der Bart ist ab und die Haare etwas kürzer. Doch an seiner Ausstrahlung ändert das nichts. Schon das Entrée des Abends gestaltet Bülent Ceylan gigantisch: Metallener Rocksound lässt die Halle im wahrsten Sinne erschüttern, der Boden bebt, dazu gibt es ein knallendes Feuerwerk. Furios! Als er dann mit einem Trikot des "Handball-Gastgebers" SCM in der nicht ganz ausverkauften Getec-Arena auftritt und das Publikum auch noch korrekt mit "Machdeburch" begrüßt, stürmt Jubel auf. Der Beginn eines wundervollen Abends.

"Ihr habt Eintritt bezahlt. Also könnt ihr auch Fotos machen."

Es zeigt sich der Mann aus "Monnem" als vielseitiges Sprachtalent. Damit schwa-droniert er quer durch die Nationen. Er entlarvt Vorurteile auf eine urkomische Art, die gleichzeitig zum Nachdenken anregt. So erklärt der Türke im Schottrenrock, dass das Wort Kanake Mensch heißt (es stammt aus dem Polynesischen und wurde vermutlich im 19. Jahrhundert von Seefahrern mitgebracht). Er widmet sich dem Umgang mit den Kulturen dieser Welt, wo Gutes und Schlechtes überall vorkommt, unabhängig von der Religion. Niemand ist vor seinem Spott sicher.

Er darf das, hat durch seine Herkunft, Kenntnis und Sympathie Narrenfreiheit, die zu großem gemeinsamen Spaß führt. Zur Seite stehen ihm Anneliese, Harald, Hassan und Mampfreed, seine Kultfiguren. Jede posiert zunächst für Fotos, denn Bülent Ceylan ist der wohl Einzige, der öffentlich erklärt: "Ihr habt Eintritt bezahlt, also könnt ihr auch Fotos machen!" Während bei anderen Veranstaltungen fotografieren und filmen untersagt wird.

Allerdings zügelt das zeitweise die Stimmung, denn anstatt mitzumachen, zu klatschen oder zu singen, halten viele ihr Handy in die Höhe und bleiben sonst bewegungslos. Abgesehen vom Applaus, der dazwischen immer wieder stürmisch aufbraust.

Der Komiker zeigt sich authentisch und sympathisch, plaudert über das Leben, als ob ihm die Gedanken spontan einfallen - und selbst wer manches von seinen im Fernsehen gezeigten Auftritten kennt, nimmt ihm das ab. Er bezieht das Publikum immer wieder ein, spricht einzelne Personen an, übernimmt Zuschauernamen ins Programm. Und er bekennt: "Ich bin auch ein Ossi! Noch östlicher als die Türkei geht nicht." Auch wenn er nur "halbgetürkt" ist.

Wundervoll sein Umgang mit der Sprache. Herrlich, wie er deutsche Redewendungen auf die Schippe nimmt. Lustig seine partnerschaftlichen Plänkeleien und der "Angela Merkel Style" beim Headbangen! Putzig seine Versuche, die Witzeleien für die Jüngsten im Saal in "kindgerechte" Sprache umzuwandeln. Kurz vor Schluss zeigt er sich sogar als Meister der leisen Melodie: Er sei "Nichts Besonderes" singt er in der gleichnamigen Ballade, und "wo ich bin, ist nicht immer oben", singt vom Regenbogen, der in jeder Träne steckt. Unerwartete Töne. Mit einer beeindruckenden Stimme.

"Ich bin auch ein Ossi. Noch östlicher als die Türkei geht nicht!"

Doch nicht alle Späße dürften jedem gefallen - ob philosophische Betrachtungen über "stinkende Winde" oder die "lustigen" Bemerkungen über Leute aus dem Publikum, die er mit der "Mampfreed-Cam" herauspickt, auf dem großen Bildschirm zeigt und kommentiert. Dass "Mampfreed" Chauvinist ist und "sie verstehen doch Spaß", reicht nicht als Begründung. Wen es nicht erwischt, der dürfte erleichtert sein.

Letztlich lässt Metal-Fan Ceylan den Abend mit einer umgedichteten Rammstein-Nummer ausklingen - in der er textlich unterstreicht, was er auf der Bühne präsentiert und sogar auf der Eintrittskarte verkündet: "Respekt! Kein Platz für Rassismus". Gegen Fremdenhass, für Toleranz. Wenn diese Botschaft auf so unterhaltsame Weise verbreitet wird, kann sich ihr niemand entziehen.