Schauspielkarriere von der DDR bis nach Hollywood

Geboren 1930 im ostpreußischen Tilsit.

Violinstudium in Berlin, danach Wechsel zur Schauspielerei. Engagement am Berliner Theater am
Schiffbauerdamm, zwei Jahrzehnte an der Volksbühne.

Arbeiten für das Fernsehen ab 1960. Er hat Hauptrollen in "Fünf Patronenhülsen" und "Flucht aus der Hölle", Anfang der 1970er Jahre feiert er Erfolg mit der Reihe "Das unsichtbare Visier". Er spielte in sechs Filmen von Frank Beyer, unter anderem in "Nackt unter Wölfen".

1976 unterzeichnet Mueller-Stahl die Petition gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann.

1979 Ausreise in die Bundesrepublik. Zusammenarbeit unter anderen mit Regisseur Rainer Werner Fassbinder ( "Lola" und "Die Sehnsucht der Veronika Voss"). 1989 Umzug nach Kalifornien (USA). 1992 beginnt die Karriere in Hollywood.

Zu den ihn prägenden Rollen und Filmen gehören: Thomas Mann im Mehrteiler "Die Manns - Ein Jahrhundertroman" (2001) und Jean Buddenbrook in "Die Buddenbrooks" (2008, beide in Regie von Heinrich Breloer), "Tödliche Versprechen" (2007, David Cronenberg), "The International" (2009, Tom
Tykwer) und die Dan-Brown-Bestsellerverfilmung "Illuminati" (2009, Ron Howard).

Wichtige Auszeichnungen: Bundesfilmpreis,
Adolf-Grimme-Preis, Bambi, Deutscher Filmpreis für Lebenswerk, Oscar-Nominierung für "Shine" (1996) als bester Nebendarsteller.

Wohnorte Armin Mueller-Stahl lebt in Kalifornien und in der Nähe von Lübeck.

Dresden l Im traditionsreichen Taschenbergpalais steht Armin Mueller-Stahl inmitten seiner Bilder. 120 Gemälde und Grafiken sind in einer Ausstellung im noblen Haus zu sehen. Malerei ist seine Leidenschaft geworden. Sie überwiege im Moment. Die Schauspielerei brenne nicht mehr.

Auftritte auf der Bühne gibt es aber noch. Singend. Mit Liedern, die von ihm stammen und die 45 Jahre alt sind. "Es ist ein freiwilliger Blick in die Vergangenheit. Ich werde dann auf der Bühne wieder etwas jünger", sagt der 83-Jährige. Solch eine kleine Verjüngungskur erhält er in Magdeburg. Am 17. Januar gibt er im Opernhaus ein Gastspiel.

"Die Konzerte gaben mir ein Gefühl der Freiheit."

Mit Armin Mueller-Stahl verbindet man hauptsächlich seine außergewöhnliche Karriere als Schauspieler. Dass Musik immer Teil seines Lebens war, ist vielen nicht bekannt. Mueller-Stahl, im ostpreußischen Tilsit geboren, stammt aus einer musisch begabten Familie, er wollte komponieren und träumte in der Nachkriegszeit davon, an den großen Konzerthäusern als Dirgent ein Orchester zu führen. "In mir war alles Musik", schreibt der Mime in seinem Erinnerungsbuch "Dreimal Deutschland und zurück" über jene Zeit. Er studierte Geige und entdeckte neben der Musik immer stärker das Theater. Später, als er als Schauspieler in der DDR große Erfolge feierte, als Filme verboten wurden, er sich immer stärker gegängelt und eingeengt fühlte, fand er wieder zur Musik zurück.

Er hat dann komponiert und Texte geschrieben. Er hat seine Welt in Poesie gepackt. Er sang vom Apfelbaum, an dessen Spitze eine Pflaume sitzt, und damit Ulbricht gemeint. Er hat über die Nase von Marie getextet und an die Stasi gedacht.

"Sie haben die Lieder nicht gemocht. Sie waren sehr skeptisch, die Lieder waren zu pazifistisch, zu skurril oder man meinte, sie seien nur schlecht. Es war kein Mainstream", sagt er und spricht in der Sie-Form.

Eine Anfrage für einen ZDF-Film-Dreh im Westen wurde ihm abgesagt. Konzertreisen aber nicht. Das war Mitte der 1960er Jahre. Mueller-Stahl reiste, nicht als Schauspieler, sondern als Sänger. Bis Kairo und Wien, auch ins nahe und doch so weit entfernte West-Berlin. Mueller-Stahl wohnte in Köpenick - auf der anderen Seite der Mauer. "Die Konzerte gaben mir ein Gefühl der Freiheit", sagt er.

Doch die Freiheit war begrenzt, die Gängelei ging weiter. Mueller-Stahl erzählt im Volksstimme-Gespräch über eine Show im DDR-Fernsehen, die er gemacht hat mit dem Titel "Ich kauf Dir eine Blume". "Ich durfte nur drei, vier Lieder von mir singen, dann hat man noch geschnitten." Dafür sang er "My Way" von Frank Sinatra.

"Einige Texte sind ja auch heutig."

Und dann gab es da noch das Chanson über den Regen. Auch das war nicht erwünscht, weil es im Sozialismus nicht regne, wurde ihm gesagt.

Mit dem Liedprogramm "Es gibt Tage ..." erinnert er sich auf seine Art an jene erlebte DDR-Zeit. Es sei sehr persönlich, sagte er. Seine 45 Jahre alten Texte leben von Metaphern, er setzte auf Zwischentöne. Erkennt heute das Publikum die verschlüsselten Botschaften von einst?

"Viele sind mit mir und meinen Filmen großgeworden. Ich rezitiere Gedichte, warum ich noch am Leben und nicht in Systemen kaputtgegangen bin, dann verstehen sie sehr wohl diesen Abend und die Zwischentöne. Es ist eine biografisch geprägte Vorstellung. Und einige Texte sind ja auch heutig."

Begleitet haben den großen Mann der Schauspielerei in all seinen Lebensjahren die Malerei und die Musik. Der Ausnahmemime musste jedoch 70 Jahre alt werden, um mit seiner Malkunst an die Öffentlichkeit zu gehen. Und er war 80, als sein Albumdebüt erschien.

Immer wieder fing er irgendwo neu an. Im Osten nach der Flucht, im Westen nach der Ausreise, in Amerika nach dem Umzug. In der Kunst wars ebenso.

Warum ließ er sich für das Album so viel Zeit? "Ich wollte das nicht", sagt Armin Mueller-Stahl. Seine Lieder seien schließlich ein abgeschlossener Teil seines Lebens gewesen. Doch seine Frau habe darauf bestanden, sie habe gebohrt, die alten Lieder doch noch einmal für die Enkelkinder aufzunehmen. "Dann kam ich mit Günther Fischer zusammen und plötzlich entdeckten wir Spaß, damit noch einmal auf der Bühne zu stehen", erzählt er. Fischer, namhafter Filmkomponist, und Mueller-Stahl sind alte Freunde. Beide musizierten zu DDR-Zeiten schon zusammen und finden Gefallen an den Abenden der Erinnerung.

Armin Mueller-Stahl musiziert mit Band am 17. Januar 2015 im Opernhaus Magdeburg, Karten gibt es über das Magdeburger Theater, Telefon 0391/5406555.