St. Petersburg (dpa) l Star-Sopranistin Anna Netrebko (43) hat am Montag in St. Petersburg mit Oleg Zarjow, Separatistenführer aus der umkämpften Ostukraine, am Rande einer Pressekonferenz zum 250-jährigen Bestehen der weltberühmten Eremitage-Kunstsammlung die Fahne von "Neurussland" präsentiert. Mit diesem historischen Begriff bezeichnen die Separatisten in den Krisenregionen Donezk und Lugansk das von ihnen beanspruchte Gebiet.

Netrebko, die in den berühmtesten Opernhäusern der Welt auftritt, überreichte Zarjow einen Scheck über eine Million Rubel (etwa 15000 Euro). Das Geld sei für das Opern- und Balletthaus in der ostukrainischen Separatistenhochburg Donezk gedacht, sagte sie. Ihre Kollegen dort würden wegen der Gefechte zwischen der Armee und Aufständischen "im Bombenhagel" zur Probe gehen.

Netrebko hatte mehrfach öffentlich ihre Unterstützung für Kremlchef Wladimir Putin bekräftigt. Sie gehörte zu 500 russischen Künstlern, Wissenschaftlern und Sportlern, die sich vor der Präsidentenwahl 2012 für Putins Rückkehr in den Kreml ausgesprochen hatten.

Der Kreml hat eine bis in die Sowjetzeiten zurückreichende Tradition, international erfolgreiche Künstler, aber auch Sportler für politische Zwecke einzuspannen. Die Primaballerina Swetlana Sacharowa etwa saß für die Kremlpartei Geeintes Russland zeitweilig im Parlament. Und immer wieder schlägt den Kulturschaffenden für politisches Engagement im Westen auch Kritik entgegen. So erlebte der Dirigent Waleri Gergijew, künftiger Leiter der Münchner Philharmoniker, Proteste wegen seiner Putin-Unterstützung.

Andersdenkende Künstler sehen sich hingegen öffentlich kaum wahrgenommen in ihrer Heimat. Im März kritisierten Schriftsteller und Bürgerrechtler in einem Protest-Brief den Kurs von Putin im Ukraine-Konflikt als "brandgefährlich". "Es werden die Prinzipien der europäischen Sicherheit und Stabilität verletzt", kritisierten sie. Unter ihnen waren auch in Deutschland populäre Autoren wie Ljudmila Ulizkaja und Viktor Jerofejew.