Die Gewinner in den wichtigsten Kategorien
Bester Spielfilm: "Ida" von Pawel Pawlikowski (Polen)
Bester Dokumentarfilm: "Master of the Universe" von Marc Bauder (Deutschland)
Bester Animationsfilm: "Die Kunst des Glücks" von Alessandro Rak (Italien)
Beste Komödie: "The Mafia only kills in the Summer" von Pierfrancesco Diliberto (Italien)
Beste Schauspieler: Marion Cotillard (Foto, "Zwei Tage, eine Nacht") sowie Timothy Spall (Foto, "Mr. Turner - Meister des Lichts")
Lebenswerk: Agnès Varda (Frankreich)
Europäischer Beitrag zum Weltkino: Steve McQueen (Großbritannien)
Publikumspreis: "Ida" von Pawel Pawlikowski (Polen)
Bester Regisseur: Pawel Pawlikowski ("Ida")
Drehbuch/Kamera: Pawel Pawlikowski, Rebecca Lenkiewicz / Lukasz Zal, Ryszard Lenczewski ("Ida")
Bester Debütfilm: "The Tribe" von Myroslav Slaboshpytskiy (Ukraine)
Bestes Szenenbild: Claus-Rudolf Amler ("Das finstere Tal")
Bestes Kostümbild: Natascha Curtius-Noss ("Das finstere Tal")
Beste Filmmusik: Mica Levi ("Under the skin")
Bester Schnitt: Justine Wright ("No turning back")

Riga (dpa) l Für Pawel Pawlikowski war es eine "fantastische Nacht". Mit seinem bewegenden Schwarz-Weiß-Drama "Ida" holte der polnische Regisseur beim 27. Europäischen Filmpreis fünf Trophäen, darunter den Preis für den besten Spielfilm. Doch auch der Deutsche Marc Bauder konnte nach der Verleihung in der lettischen Hauptstadt Riga die Sektkorken knallen lassen. Er wurde für seine Banker-Doku "Master of the Universe" in der Kategorie bester Dokumentarfilm ausgezeichnet.

Für Pawlikowski regnete es am Samstagabend in der Lettischen Nationaloper Preise: für Regie, Kamera, Drehbuch und Ausstattung. Obendrein gab es noch den Publikumspreis, der ihn am meisten überraschte. "Es ist kein offensichtlicher Film für die Massen", meinte der 57-jährige Filmemacher. In der Tat lockte das formstrenge Kleinod in Deutschland seit April erst knapp 20000 Zuschauer in die Kinos.

Den Regiepreis nahm Pawlikowski aus den Händen der norwegischen Schauspielerin Liv Ullmann entgegen, die "Ida" als "schwierige Reise in die europäische Geschichte" bezeichnete. Der Film spielt im Polen der 60er Jahre und erzählt von einer im Waisenhaus aufgewachsenen Novizin und ihrer schwierigen Identitätssuche. Bevor sie ihr Gelübde ablegen kann, erfährt die junge Frau, dass sie eigentlich Jüdin ist und ihre Eltern dem Holocaust zum Opfer fielen.

Mit "Ida" bewirbt sich Polen nun auch um den Oscar für den besten fremdsprachigen Film. Beim "europäischen Oscar" setzte sich der 80-minütige Gewinnerfilm unter anderem gegen Lars von Triers Sex-Drama "Nymphomaniac" durch, das komplett leer ausging.

Die Deutschen hatten den Hauptpreis zuletzt vor acht Jahren mit Florian Henckel von Donnersmarcks Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" geholt. Dieses Mal gab es den Preis für die beste Dokumentation. Er sei "jemand, der verstehen will, was mit unserer Gesellschaft passiert", begründete Bauder seine Motivation für den Film über die Machenschaften der Finanzwelt. Deshalb müsse man sich mit den "treibenden Motoren der gesellschaftlichen Veränderungen" wie etwa Bankern oder Politikern beschäftigen.

Auch die Deutschen Natascha Curtius-Noss und Claus-Rudolf Amler bekamen Preise - für das Kostüm und Szenenbild des Alpendramas "Das finstere Tal".

Durch den Abend führte bestens gelaunt und charmant der deutsche Comedian Thomas Hermanns. Der Gründer des "Quatsch Comedy Clubs" hielt sein Versprechen der "Mischung von Content und Glamour in perfekter Kombination". Er bot den mehr als 1000 Gästen "Rundum-Service" inklusive Wodka, schlug in seiner ersten englischen Moderation aber auch ernste Töne an und kritisierte die Unterdrückung von Homosexuellen in Lettlands Nachbarland Russland.