Los Angeles (dpa) l Es ist ein brisantes Thema, das da in dem Kinofilm "The Interview" im Mittelpunkt steht: Zwei Journalisten - gespielt von den Hollywoodstars James Franco und Seth Rogen - sollen den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un umbringen. Allein dieser Inhalt sorgte schon im Vorfeld für Wirbel, doch nun wird die Aufregung enorm.

Wegen Terrordrohungen sagte das Filmstudio Sony Pictures am Mittwoch den für den 25. Dezember geplanten US-Kinostart ganz ab. Man habe "keine weiteren Pläne für eine Veröffentlichung" des Streifens. Eigentlich sollte die Parodie im Januar auch in die Kinos Australiens und mehrerer europäischer Länder kommen.

In Deutschland war der Start des Films mit Produktionskosten von rund 44 Millionen US-Dollar (etwa 35 Millionen Euro) für Februar geplant. Der Fall wirft mit seinen Gerüchten und Ungereimtheiten zahlreiche Rätsel auf.

1. Worum geht es in dem Film?
Dave (Franco) ist Moderator der Fernsehshow "Skylark Tonight", in der vor allem Prominente wie Eminem ihre Geheimnisse enthüllen.

Dann gelingt es Aaron (Rogen) - Daves bestem Freund und Produzent der Sendung - ein Interview mit Kim Jong Un zu vereinbaren, "dem mysteriösen und rücksichtslosen Diktator des nuklearbewaffneten Nordkorea", wie es in der offiziellen Inhaltsangabe heißt. Da hat der US-Geheimdienst CIA eine Idee: Warum bringen die Journalisten den Diktator bei der Gelegenheit nicht um?

2. Wie ernst ist der Film gemeint?
Der Diktator heißt nicht nur Kim Jong Un, er sieht auch so aus. Außerdem unterdrückt er sein hungerndes Volk und wirft Gegner ins Zwangslager. Allerdings ist "The Interview" eindeutig eine überdrehte und zugespitzte Satire, die immer wieder ins Klamaukige gleitet. Selbst Dave und Aaron kommen dabei nicht wirklich gut weg - bei ihrem geplanten Attentat läuft zunächst einiges schief. Der 32-jährige Rogen, der noch am Drehbuch mitschrieb und mit Evan Goldberg Regie führte, ist übrigens seit Jahren als Komiker und Schauspieler von Komödien wie "Bad Neighbors" und "Das ist das Ende" bekannt.

3. Was ist bisher überhaupt passiert?
Sicher ist, dass ein Hacker-Angriff im November das firmeninterne Netzwerk von Sony Pictures in weiten Teilen lahmlegte. Es war nach Experteneinschätzung das erste Mal, dass es Hackern gelang, die Datenbestände einer Firma so flächendeckend zu plündern. Die Angreifer kopierten interne Daten und Dokumente, die sie später zum Teil ins Netz stellten. Darunter waren auch E-Mails, Gehaltsangaben von Mitarbeitern und persönliche Informationen von Filmstars. Außerdem gelangten Kopien mehrerer Kinofilme ins Internet - darunter "Herz aus Stahl" mit Brad Pitt und die Komödie "Annie", die erst am heutigen Freitag in den US-Kinos starten soll, nun aber schon vielfach heruntergeladen wurde.

4. Wie hängt das alles zusammen?
Sony Pictures äußert sich fast gar nicht zu den Vorfällen. Stattdessen kursieren zahlreiche Gerüchte. Die Verantwortung für die Hackerattacke übernahm zwar die bisher nicht bekannte Gruppe "Guardians of Peace", doch schon früh war über Verbindungen zu Nordkorea spekuliert worden. Die "New York Times" berichtet nun unter Berufung auf nicht namentlich genannte Regierungsvertreter, Washington mache Nordkorea für den Datendiebstahl verantwortlich. Das ostasiatische Land weist dies zurück. Unklar ist ebenso, wer hinter den Terrordrohungen steckt, die unter anderem Kinobetreiber erhalten haben sollen. US-Präsident Barack Obama deutete an, die Drohungen seien unglaubwürdig.

5. Wie reagiert Nordkorea?
Tatsächlich soll das stalinistische Regime wenig erfreut sein über den Film. Staatliche Medien hatten berichtet, der Film schädige die Würde des Machthabers. "Falls die US-Behörden die Vorführung des Films dulden und fördern, werden sie damit zu einer strikten und gnadenlosen Gegenmaßnahme einladen", hatte es bereits im Juni in einer Erklärung des nordkoreanischen Außenministeriums geheißen. Wie die Maßnahme aussehen könnte, wurde nicht gesagt. Das Ministerium bezeichnete die Verbreitung eines solchen Films als terroristische Aktion.

6. Was sagen Filmexperten?
Sie zeigten sich besorgt über einen möglichen Präzedenzfall. Es sei beunruhigend, dass Filmstudios "Irren vom politischen Rand das Feld überlassen" und sich darin beeinflussen lassen könnten, "welche Filme sie machen und welche Filme sie herausbringen", sagte der Dozent Richard Walter von der Film School der UCLA. Schauspieler Rob Lowe, der in "The Interview" mitspielt, zeigte sich erschüttert. "Wow. Alle geben klein bei. Die Hacker haben gewonnen", schrieb er im Internetdienst Twitter.