Noch mehr Konzerte im Harz

Das Neujahrskonzert des Orchesters vom Nordharzer Städtebundtheater wird noch fünfmal aufgeführt. Bis Redaktionsschluss waren die heutigen beiden Aufführungen im Großen Haus Halberstadt ausverkauft.
Im Großen Haus Quedlinburg gibt es für die Aufführung am morgigen Sonnabend um 15 Uhr noch Karten. Die Abendaufführung um 19.30 Uhr ist dort ebenfalls schon ausverkauft.
Karten gibt es auch noch für die letzte Aufführung des Neujahrkonzertes im Theatersaal auf Schloss Blankenburg. Dort beginnt die Aufführung am 23. Januar um 19 Uhr.

Ilsenburg l Den furiosen Auftakt des Konzertreigens zum Jahreswechsel gaben die Philharmoniker am 30. Dezember in der Ilsenburger Harzlandhalle. Und der verlief sehr erfolgreich.

Was erwartet der Konzertbesucher von einer Gala zum Jahreswechsel? Millöcker, Strauß und Kálmán; die Perlen der Goldenen und Silbernen Operetten-Ära, die Walzer- und Polkaseligkeit. Und dazu heitere Spieloper von Lortzing bis Rossini. Die Mischung macht`s, die charmante Präsentation, der Stimmen- und Orchesterglanz.

All das bekamen die 800 Besucher in Ilsenburg serviert. Am Ende der Konzerte zum Jahreswechsel dürften 2500 bis 3000 Hörer verzaubert sein - vorsichtig geschätzt.

Musikdirektor führt durch 100 Jahre Geschichte

Musikdirektor Christian Fitzner führte als Cicerone durch gut hundert Jahre Musikgeschichte - ebenso wie durch die Erfolgshistorie der Wernigeröder Schlossfestspiele. In diesem Jahr steht die Nummer 20 mit der Flotow-Oper "Martha" auf dem Programm. Rossinis "Barbier von Sevilla" - als zweite Position 1997 auf dem Schloss-Spielplan - markierte den Auftakt der Gala.

Nach der Ouvertüre sang die Koloratursoubrette Paula Rummel als schnippische Rosina mit hinreißender Koketterie, Anmut und Grazie die Cavatine "Una voce poco fa". Bravo! Gleiches gilt auch für die anderen Rummelschen Paradearien - "Spiel` ich die Unschuld vom Lande" aus der "Fledermaus" von Johann Strauß und "Ach, wir armen Primadonnen" aus Millöckers "Armem Jonathan". Ihre Triller waren die akustischen Sahnebonbons, ihre Glitzergarderobe die Augenweide fürs Publikum.

Ihr Bühnenpartner Alexander Voigt war eine ebenso stimmgewaltige wie spielfreudige "Rampensau". Solo in der Arie des Knappen Georg "Man wird ja einmal nur geboren" aus dem Lortzingschen "Waffenschmied" und mit dem Black Bottom "Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht" aus der "Csárdásfürstin" von Kálmán, jedoch vor allem in den Duetten.

Paul Lincke hätte seine Freude gehabt

Der Lagunenwalzer "Nacht in Venedig" von Strauß und das Medley "Ein Abend bei Paul Lincke" zeigte das Paar glänzend aufgelegt. Lincke - der ja in Hahnenklee im Harz begraben liegt - hätte an den komödiantischen Sängern Paula Rummel und Alexander Voigt seine helle Freude gehabt.

Dazwischen schön ausgetuschte Orchesterwerke wie der Walzer "Wiener Praterleben", 1892 von Siegfried Translateur komponiert. Den Namen kennt kaum ein Mensch mehr, seine Komposition aber schon. Als "Sportpalastwalzer" feierte sie bei den 6-Tage-Rennen in den 1920er Jahren fröhliche Auferstehung. Kennen Sie trotz der Erläuterung noch nicht?

Das ist der Walzer mit den vier Pfiffen! Das Publikum in der Harzlandhalle jedenfalls unterstützte das Orchester aus voller Lunge!

Fitzner sang und tanzte in seiner charmanten Moderation. Jedes Jahr etwas Neues! Mit einigen Tänzerinnen aus dem Publikum drehte er sich im Walzertakt (wobei er selbst eine beinverletzte Dame in Bewegung brachte). Beim Millöcker griff er singend ins Geschehen um die arme Primadonna ein.

Die gute Laune sprang über. Von den Musikern und Solisten auf die Zuhörer und umgekehrt. 140 Minuten Esprit und Freude - bis zur Zugabe "Im Feuerstrom der Reben" und dem obligaten Radetzkymarsch. Ein gelungener Start ins Jahr 2015.