Zwischen Regie und Ausstattung

Ulrich Schulz studierte Kunst und Germanistik und arbeitet seit 1983 als Bühnen - und Kostümbildner.

1990 ging er als Ausstatter an die Bühnen der Stadt Köln. Neben Tanztheater-Projekten am Hamburger Schauspielhaus führten ihn Engagements an die Opernhäuser in Koblenz, Innsbruck, Graz, Luzern, Mainz sowie an zahlreiche städtische Bühnen.

Für das Theater Magdeburg arbeitete er erstmals in der Spielzeit 2009/10 für die Inszenierung "Don Giovanni" und "Orpheus in der Unterwelt". 2014 präsentierte er sich in Magdeburg erstmals als Regisseur mit Strawinskys "Die Geschichte vom Soldaten".

Magdeburg l Drei dicke Bände mit Skizzen und Stoffproben liegen vor Ulrich Schulz. Er hat die Figuren durchgezeichnet. Daneben ein an ein Atelier erinnerndes Modell mit Treppen, verschiedenen Ebenen, mit Bildern an den Wänden, einem Bollerofen in der Ecke. Eine große Zeichnung zeigt ein altes Theater. Was hier im Kleinformat auf dem Tisch steht, wird die Magdeburger Bühnenwelt der Oper "La Bohème" mit dem Poeten Rodolfo, dem Maler Marvello, dem Musiker Schaunard, dem Philosophen Colline und der Nachbarin Mimi.

Ulrich Schulz, Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner, prägt die Ausstattung mit seinen Ideen. Er arbeitet erneut gemeinsam mit Generalintendantin Karen Stone, die Puccinis vielgespieltes Meisterwerk inszeniert. Beide kennen sich noch aus Kölner Zeiten, als Stone dort Operndirektorin war. Seit der Spielzeit 2009/2010 arbeitet Schulz am Magdeburger Haus, vornehmlich dann, wenn Stone Regie führt. Schulz spricht von einem Sich-Kennen, von Kontunuität, von einem gemeinsamen Blick.

Beide rücken Puccinis Werk um die Welt der Pariser Bohème aus dem Jahr 1896 in die späten 1940er Jahre, die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, in der eine Mangelwirtschaft herrscht, in der Künstler Holz zum Heizen brauchen, weil es Weihnachten kalt ist, in der es Stromausfälle gibt und man sich mit Kerzen behelfen muss, in der man noch die Zerstörung des Krieges sieht, aber sich auch eine neue Künstlergeneration herausbildet. "Wir haben uns von Malerei und Musik jener Zeit in Paris inspirieren lassen", sagt Schulz.

Die ursprüngliche Mansarde im ersten Akt sei in der Inszenierung nicht klein und eng, sondern ein Etagenbild, das der Künstlerkommune Spielmöglichkeiten bietet. Für den zweiten Akt, der eigentlich auf der Straße im lebhaften Quartier Latin mit Straßencafés spielt, hat er einen anderen Raum kreiert und belebt für das freigeistige Künstlermilieu ein altes, heruntergekommenes Theater wieder - sozusagen ein Theater im Theater.

Karen Stone hatte die Idee in Anlehnung an den Chelsea Arts Club, einen Künstlertreffpunkt in London, der bekannt war für Kunstaktionen. Das Bühnenbild sei recht opulent, sagt Schulz, man könne zwei Etagen begehen, was auch notwendig sei, um den Chor, die Kinder, die Bühnenmusiker, die Darsteller, die Statisten - man komme auf 120 Leute - unterzubringen. "Der Raum hält zum Schluss auch eine Überraschung bereit. Aber die will ich noch nicht verraten", sagt Schulz. Premiere ist am 22. Januar im Opernhaus.