Seit neun Jahren ist Andy Borg das Gesicht des Musikantenstadls. Bevor er im März mit der Tour zur TV-Show nach Magdeburg kommt, sprach er mit Volksstimme-Redakteurin Elisa Sowieja über Heino, begeisterte Senioren und die ungewisse Zukunft der Sendung.

Volksstimme: Heino macht seit einiger Zeit Rockmusik. In einem Interview meinte er, mit seinem "Rock Enzian" würde man ihn im Musikantenstadl wohl nicht nehmen. Liegt er damit richtig?
Andy Borg:
Er hat es nicht angeboten. Ich entscheide das auch nicht alleine, sondern gemeinsam mit drei Redaktionen aus der Schweiz, Deutschland und Österreich.

Können Sie sich denn vorstellen, dass die Nummer Chancen hätte?
Aber natürlich! Heino hat schon einige Male bewiesen, dass er als Kultfigur Dinge machen kann, die sich seine Kollegen nicht leisten dürfen.

Durch seinen Wandel hat er sein Publikum verjüngt. Was halten Sie davon?
Bei Heino finde ich es genial. Er ist seit 50 Jahren dabei und hat schon ein paarmal Haken geschlagen, wo wir alle die Nase gerümpft haben. Doch auch mit seiner stacheligen Perücke und diesem Rap-Zeug hatte er einen Riesenerfolg. Das ist bewundernswert. Aber das kann nur Heino. Ich habe einige Instrumente, darunter eine akustische Gitarre mit Darmseiten - also was ganz Zärtliches. Die war noch nie traurig, dass sie nicht "Highway to Hell" spielen kann.

Wahrscheinlich geht`s ihr auch besser als der Gitarre von Heino.
Ja, das ist ein wahrer Satz! Aber wissen Sie, was ich damit meine? Ich kenne meine Stimme und weiß etwas damit anzufangen. Ich könnte natürlich auch etwas anderes singen, aber das klingt einfach nicht. Wenn man live unterwegs ist, kann man auch mal etwas anderes machen. Aber beim Album wissen die Leute, was sie bekommen, wenn sie Andy Borg aufdrehen.

Und auf den Musikantenstadl bezogen - wäre dort nicht eine Verjüngung nötig? Immerhin ist der Durchschnitts-Zuschauer 68 Jahre alt.
Nein. Diese Sendung gibt`s seit 1981. Damals war das Durchschnittsalter etwa genauso hoch. Entweder hat man die Zuschauer alle nach jeder Sendung eingefroren und dann wieder aufgetaut oder die Leute sind nachgewachsen. Ich finde dieses Alter auch nicht schlimm. Mein Publikum vergleiche ich immer mit meinen Eltern. Sie sind 75 und haben es auch verdient, die Musik zu hören, die sie mögen. Sie sind keine Randgruppe.

Während die Sender noch über die Zukunft der Show diskutieren, sind Sie mit einer Erklärung auf Ihrer Facebook-Seite vorgeprescht.
Obwohl ich ein Schlagerfuzzi bin, gehe ich mit offenen Augen durchs Leben. Ich habe gemerkt: Mein Publikum und meine Kollegen - ausgenommen Heino - sind nicht diejenigen, die den Entscheidungsträgern die Hölle heiß machen. Sie halten sich an die Regeln, und wenn es etwas nicht mehr gibt, sagen sie: Schade, aber da kann man nichts machen. Als zum Beispiel Marianne und Michael aus dem Programm genommen wurden, hat in der Entscheidungsphase keiner etwas gesagt. Abgesehen davon hält unsere Quote leicht mit allen anderen Samstagabend-Shows mit.

In der Erklärung geht es um den Musikantenstadl an sich. Denken Sie auch, dass er auf jeden Fall mit Ihnen weitergehen sollte?
Was stellen Sie sich denn ungefähr vor, was ich auf diese Frage antworten soll?

Zum Beispiel, dass bei diesem Format der Moderator nicht einfach austauschbar ist.
Diejenigen, die das entscheiden, sind ja nicht auf der Nudelsuppe daher geschwommen. Die haben ganz bewusst mich ausgesucht, als Karl Moik das nicht mehr gemacht hat. Wenn sie jemand anderen haben möchten, werden sie darüber nachdenken und möglichst richtig entscheiden.

Wie sehr Sie ältere Menschen beim Musikantenstadl begeistern, wurde neulich in einem Ausschnitt bei "TV Total" gezeigt: Da fiel Ihnen eine Dame um den Hals und wurde dann von einem Sicherheitsmann weggeholt. Passiert Ihnen das öfter?
Ja, aber möglich wird das nur, weil die komplette Halle als Bühne dient. Es ist, als wenn in einem Dorf die freiwillige Feuerwehr 100-jähriges Bestehen feiert: Da wird aus einer Scheune das Stroh rausgeräumt, Tische und Bänke werden aufgestellt, und dann spielt einer Ziehharmonika und macht "lala".

Aber dort fallen den Musikern selten Damen um den Hals.
Das kommt darauf an, wer da "lala" macht. Bei jungen Bands wie Tokio Hotel schreien die Mädchen. Bei uns sind die Mädchen erwachsen. Und statt zu kreischen, fallen sie mir um den Hals oder schenken mir Toblerone.

Ihre Show wird überhaupt gern aufs Korn genommen - auch von Bastian Pastewka und Anke Engelke. Wie gehen Sie damit um?
Wolfang und Anneliese - das ist auf höchstem Niveau parodiert! Eine Parodie ist etwas, das man kennt. Die Tatsache, dass die Leute mich im deutschsprachigen Raum kennen, ist ja nichts Schlimmes.

Das Original sehen wir im März auf Tour. Wieso wurde die Show eigentlich noch nie aus Magdeburg übertragen?
Da müssten Sie den Tourneeveranstalter fragen.

Dann können Sie kein gutes Wort einlegen?
Um Gottes Willen! Für die TV-Übertragung mieten wir eine Halle für 14 Tage, was mit hohen Kosten verbunden ist. Außerdem müssen wir Nightliner bestellen, wo das Team schläft. Wenn ich mich um diese Dinge kümmern müsste, dann wäre ich kein Schlagersänger.

Und ich habe gehofft, ich könnte Sie mit Toblerone bestechen.
Nein! Aber in den nächsten Wochen brauche ich Schokolade sowieso nicht, denn da habe ich noch meinen Vorsatz vom "Silvesterstadl".