Berlin (dpa) l Es ist das Festival der starken Frauen. Sie leiden für ihre Liebe und kämpfen für ein besseres Leben. Die 65. Berlinale rückt das Schicksal weiblicher Heldinnen von Guatemala bis Grönland in den Mittelpunkt - gespielt von starken Schauspielerinnen wie Nicole Kidman, Léa Sedoux, Charlotte Rampling und Juliette Binoche. In den ersten Tagen der Berliner Filmfestspiele überzeugte außerdem das deutsche Kino: Berlinale-Neuling Sebastian Schipper ("Absolute Giganten", "Mein bester Freund") schickte mit "Victoria" ein waghalsiges, aber gelungenes Kinoprojekt ins Rennen um den Goldenen Bären.

Das scheue amerikanische "Regie-Phantom" Terrence Malick war am Sonntag mit seinem Film "Knight of Cups" (übersetzt: Ritter der Kelche) in einer Art missionarischer Mission unterwegs. Sein philosophisch-poetisches Drama um den rechten Weg im Leben ließ das Publikum der ersten Pressevorstellung wahlweise ratlos, fasziniert oder gelangweilt zurück. Hollywoodstar Christian Bale ("American Hustle") spielt in dem von den inneren Stimmen der Figuren aus dem Off kommentierten Film einen Sinnsucher zwischen zwei Frauen (Natalie Portman und Cate Blanchett).

"Victoria" zeigt fragile Seelenlage

Der mit 140 Minuten bislang längste und zugleich stilistisch ungewöhnlichste Film kam aus Deutschland. Schauspieler, Regisseur und Autor Sebastian Schipper zeigte mit "Victoria" das atemberaubende Protokoll einer Nacht im Rausch. Die junge Spanierin Victoria (Laia Costa) trifft vor einem Berliner Club vier halbstarke Berliner Jungs, gespielt von Frederick Lau, Franz Rogowski, Burak Yigit und Max Mauff.

Das Besondere: Schippers Film kommt ohne Schnitte aus, die Kamera ist den Figuren immer ganz dicht auf den Fersen - die Erzählung entwickelt so einen ungeheuren Sog. Schipper drehte den Film dreimal jeweils in einem Stück durch. In der ersten Stunde des Films passiert scheinbar nicht viel. Die Jungs freunden sich tändelnd mit dem Mädchen an.

Die fragile Seelenlage der Freunde ist aber ganz intensiv eingefangen - und wenn dann die Action losgeht, kennt der Zuschauer Victoria und ihre neuen Freunde schon sehr gut. Weil einer der Jungs einem alten Knast-Bekannten noch einen Gefallen schuldet, müssen sie losziehen und vollgepumpt mit Drogen und Alkohol ein echt krummes Ding drehen - und Victoria kommt mit. Am nächsten Morgen existiert die bisherige Welt der Jugendlichen nicht mehr.

"Queen of the Desert" überzeugt nicht

Erstmals ist auch ein Film aus Guatemala im Berlinale-Wettbewerb. Jayro Bustamante erzählt in "Ixcanul Volcano" von dem Maya-Mädchen María. Zusammen mit ihren Eltern lebt María am Fuß eines aktiven Vulkans auf einer Kaffeeplantage. Die junge Frau (beeindruckend gespielt von María Mercedes Coroy) will am liebsten in die USA auswandern - doch dann wird sie vom falschen Mann schwanger.

In der scheinbar geordneten westlichen Welt spielt "45 Years" des Briten Andrew Haigh. Star dieses sehr ruhig erzählten Films ist Charlotte Rampling. Als Ehefrau steckt sie mitten in den Vorbereitungen für ihren 45. Hochzeitstag. Da kommt eine Nachricht, die das Leben mit ihrem Mann plötzlich infrage stellt. Frankreichs Filmstar Léa Seydoux spielt in "Journal d`une femme de chambre" (übersetzt: Tagebuch eines Zimmermädchens) von Benoit Jacquot eine junge Frau, die aus dem System der Unterwerfung ausbrechen will - und scheitert.

Werner Herzog hatte am Freitag als erster deutscher Filmemacher im Wettbewerb mit "Queen of the Desert" trotz Stars wie Nicole Kidman und James Franco nicht überzeugen können.