Magdeburg l "When the saint`s go marching in" als Opener für eine Bigband ist ein wenig anmaßend und ein haushohes Klischee, wessen sich am Freitag die Brass Band Berlin unter dem Perkussionisten Thomas Hoffmann beim Jazzkonzert in der Reihe Kunst Kultur Karstadt bediente.

Andererseits lebt die Jazzmusik von Klischees. Sie funktioniert am besten, wenn Klischees bedient werden, man die gespielten Titel bereits kennt und die Kunst der Verwandlung, Veränderung und die neuen Sinnzusammenhänge, die daraus entstehen erleben und schätzen kann. Deswegen haben die Jazzer zu Beginn des 20. Jahrhunderts Volkslieder, Musicals und die Gassenhauer ihrer Kollegen bearbeitet. Heute treten an diese Stelle Serien- und Filmmusiken und damit beschreibt man gut das Programm des Abends.

Eine Moderation in Heinz-Erhardt-Manier

Ravel, Bach, Goodman, Gershwin, Operette oder Krimis und immer wieder Filmmusik wurden verarbeitet und weiterentwickelt, eingepackt in eine Moderation, die in Heinz-Erhardt-Manier eher einer zum Karneval passenden Büttenrede glich. Slapstick, Kalauer und Wortspiele sind ein Steckenpferd des Berliner Ensembles.

Doch Humor und Jazz funktionieren ähnlich, man baut mit großer Ernsthaftigkeit eine Erwartung auf, bedient Klischees und zeigt dann eine sinnverändernde Pointe, reißt die Zuhörer damit in eine neue Perspektive.

Jazz ist eigentlich so etwas wie musikalische Comedy, die Sätze akribisch arrangiert, die "Fehler" genau einstudiert, alles für die Aha-Momente des Publikums und dessen Unterhaltung natürlich.

Und um mich selbst des Klischees zu bedienen, ende ich mit einem Zitat. Dieses ist von dem britischen Komiker Charly Chaplin: "Am Ende ist alles ein Witz."